Kriterienübersicht

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unsplash/pauliba Herpel

Tourismus der Zukunft gestalten

Praxisleitfaden Nachhaltigkeit im Tourismus

Kriterienübersicht

Management

Strategie und Planung: Strategische Grundlagen, Strukturen und Prozesse schaffen die Basis für
eine wirkungsvolle nachhaltige Destinationsentwicklung.

SP1 Nachhaltigkeitsstrategie

Die DMO bündelt die relevanten Themen und Ziele aus allen Dimensionen der Nachhaltigkeit in einer Nachhaltigkeitsstrategie und greift dabei
bestehende Vorgaben auf Bundes-, Landes- und Regionalebene auf. Mit einem begleitenden Monitoring prüft sie regelmäßig, was bereits erreicht
wurde und wo nachgesteuert werden muss.

SP2 Destinationsmanagement-Struktur

Die DMO verfügt über klar verteilte Aufgaben, abgestimmt auf die Gegebenheiten vor Ort, sowie über verlässliche Zuständigkeiten und eine
planbare Finanzierung. So entsteht die nötige Stabilität, um Ziele kontinuierlich zu verfolgen und Maßnahmen konsequent weiterzuentwickeln.

SP3 Stakeholder-Management

Die DMO sorgt dafür, dass alle relevanten Akteur*innen frühzeitig einbezogen werden und ihre Perspektiven in Entscheidungen einfließen.
Ein starkes Netzwerk kann dabei den oft begrenzten Handlungsspielraum der DMO ausgleichen und ihre Umsetzungskraft stärken.

SP4 Risikomanagement

Die DMO wirkt gemeinsam mit Kommunen und Tourismusakteur*innen am Risiko- und Krisenmanagement mit. Klare Zuständigkeiten,
eine abgestimmte Kommunikation und verständliche Informationen für unterschiedliche Krisenlagen helfen, im Ernstfall handlungsfähig
zu bleiben.


Steuerung und Umsetzung: Konkrete Maßnahmen, Angebote und Kooperationen verankern Nachhaltigkeit
in der Destination und machen sie im Alltag sichtbar.

SU1 Strategische Nachhaltigkeitskommunikation

Die DMO plant, steuert und überprüft Nachhaltigkeit als festen Bestandteil von Marketing und Gästeinformationen. Sie vermittelt Nachhaltigkeitsthemen
zielgruppengerecht, transparent und mit nachvollziehbaren Belegen.

SU2 Kooperationsformate

Die DMO bringt Leistungsträger*innen entlang der touristischen Leistungskette zusammen, um Nachhaltigkeit gemeinsam voranzubringen.
Als übergeordnete Organisation bündelt sie Informationen, Unterstützungsangebote und relevante Ansprechpersonen und schafft so
Orientierung.

SU3 Besuchermanagement

Die DMO kennt ihre Gästeströme, bewertet deren Auswirkungen und steuert bei Bedarf gezielt gegen. Sie informiert Gäste verständlich,
vermittelt Regeln und Leitplanken für sensible Orte und setzt diese bei Bedarf auch durch.

SU4 Nachhaltige Angebotsgestaltung

Die DMO entwickelt ihr Angebot fortlaufend weiter und berücksichtigt dabei von Anfang an ökologische, soziale und kulturelle
Auswirkungen. Zugleich sichert sie die Qualität bestehender Angebote, indem sie diese regelmäßig auf Nachhaltigkeit überprüft.

Ökonomie

Regionale Wertschöpfung: Touristische Wertschöpfung bleibt in der Region und stärkt lokale Unternehmen,
Produkte und Kompetenzen.

RW1 Regionale und nachhaltige Leistungskette

Die DMO übernimmt eine koordinierende Rolle, um Kooperationen zu erleichtern und passende Rahmenbedingungen zu schaffen. Ziel ist,
touristische Angebote in der Destination möglichst konsequent auf Leistungen aus der Region und aus nachhaltigerer Produktion zu stützen.

RW2 Nachhaltige Beschaffung

Die DMO legt für wiederkehrende Beschaffungen und Vergaben verbindliche Richtlinien fest, die zum Leitbild und zu den Zielen der Destination
passen und auch bei Ausschreibungen und Auftragsvergaben gelten. Damit geht sie als Vorbild für andere touristische Akteur*innen voran.


Wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit: Der Tourismus in der Region ist wirtschaftlich stabil, zukunftsfähig
und krisenfest.

WZ1 Verbesserung der Saisonalität

Die DMO kennt saisonale Verläufe, richtet Marketing- und Entwicklungsentscheidungen an Gästeströmen und Kapazitäten aus und nutzt geeignete
Steuerungsansätze. Sie entwickelt Angebote gezielt weiter, um die Nachfrage besser über das Jahr zu verteilen.

WZ2 Wirtschaftlicher Beitrag des Tourismus

Die DMO misst regelmäßig den wirtschaftlichen Beitrag des Tourismus und nutzt die Ergebnisse als Grundlage für Entscheidungen und zur
Interessenvertretung touristischer Belange. Die Daten helfen dabei, Ziele zu überprüfen, Trends zu erkennen und die strategische Entwicklung
voranzutreiben.

WZ3 Bildung und Kompetenzen zu Nachhaltigkeit

Die DMO fördert Weiterbildung und greift neue Nachhaltigkeitsthemen und Aufgabenfelder gemeinsam mit Partnerorganisationen auf. So baut
sie gezielt neue Kompetenzen auf und entwickelt Wissen und Handlungsfähigkeit weiter.

WZ4 Beschäftigungssicherung

Die DMO macht die Beschäftigungssituation im Tourismus regelmäßig sichtbar und nutzt diese Grundlage für fundierte Entscheidungen in der
Destinationsentwicklung. Zugleich beteiligt sie sich an Initiativen, die wichtige Rahmenbedingungen für Arbeitskräfte verbessern.

WZ5 Gesicherte und transparente Finanzierung

Die DMO verfügt über verlässliche und langfristig planbare finanzielle Mittel, mit denen sie Prozesse gestalten und Maßnahmen umsetzen
kann. Einnahmen und Ausgaben werden nachvollziehbar dargestellt und die Wirkung der eingesetzten Mittel sichtbar gemacht.

Soziokultur

Gemeinschaft und soziale Teilhabe: Die Destination schafft gute Voraussetzungen für Barrierefreiheit,
soziale Teilhabe und Tourismusakzeptanz – und stärkt so die Lebensqualität von Einheimischen und Gästen.

GT1 Barrierefreiheit

Die DMO gestaltet Tourismusangebote so, dass sie möglichst viele Menschen selbstbestimmt nutzen können. Sie berücksichtigt unterschiedliche
Bedürfnisse und sorgt für transparente und verlässliche Angaben zur Zugänglichkeit und Nutzbarkeit.

GT2 Tourismusakzeptanz

Die DMO nimmt Erwartungen, Kritik und Sorgen ernst und macht transparent, wie sich der Tourismus auf Wohnraum, Verkehr, Preise und damit
auf die Lebensqualität auswirkt. So erkennt sie Wahrnehmungen und Zielkonflikte frühzeitig, verhandelt diese transparent und überführt die
Ergebnisse nachvollziehbar in Entscheidungen.

GT3 Bürgerschaftliches Engagement

Die DMO würdigt das Engagement von Bevölkerung, Unternehmen und Gästen und bindet sie aktiv ein. Sie schafft Räume für Mitgestaltung,
vernetzt Initiativen und integriert gemeinsame Aktionen in Planung, Angebotsgestaltung und Kommunikation.

GT4 Erhöhung der Lebensqualität

Die DMO versteht Tourismus als aktiven Teil der Regionalentwicklung und übernimmt (Mit-)Verantwortung für Lebensqualität und sozialen Zusammenhalt
vor Ort. Gemeinsam mit Regionalentwicklung und Kommunen trägt sie dazu bei, die soziale Infrastruktur zu stärken.


Gute Arbeit: In der DMO und in der Destination insgesamt bestehen hochwertige und
familienfreundliche Arbeitsbedingungen, die sich an den Bedürfnissen der Beschäftigten orientieren.

GA1 Gute Arbeitsbedingungen

Die DMO übernimmt Verantwortung im eigenen Haus und wirkt zugleich in die Destination hinein. Sie verankert gute Arbeitsbedingungen in
der Destinationsentwicklung und agiert als Schnittstelle zwischen Betrieben, Kommunen, Verbänden und Vertretungen von Arbeitnehmenden.

GA2 Förderung von Chancengleichheit

Die DMO setzt intern klare Standards gegen Benachteiligung und Ausgrenzung und schafft Rahmenbedingungen für Teilhabe. Sie stärkt Weltoffenheit
und Respekt in der Destination und macht Chancengleichheit als Teil nachhaltiger Entwicklung sichtbar.


Lebendige Kultur: Der Tourismus stärkt die kulturelle Identität einer Region und trägt zum Erhalt von
Kultur, Brauchtum und kulturellem Erbe bei.

LK1 Regionaltypisches Landschafts- und Ortsbild

Die touristische Entwicklung orientiert sich am Naturraum sowie an der regionalen Baukultur. Dafür stimmt sich die DMO mit kommunalen
Stellen, regionalen Initiativen sowie Akteur*innen aus Tourismus und Naturschutz ab – insbesondere bei Infrastrukturplanungen und beim
Erhalt von Kulturlandschaften und Ortsbildern.

LK2 Materielle und immaterielle Kulturgüter

Die DMO übernimmt Verantwortung für den Schutz von Kulturgütern und vermittelt kulturelles Erbe respektvoll und im Dialog mit lokalen
Akteur*innen. So trägt sie dazu bei, kulturelle Vielfalt als gesellschaftlichen Wert zu erhalten und zugleich das touristische Erlebnis zu stärken.
 

Ökologie

Klimaschutz & Klimaanpassung: Die Destination senkt systematisch ihre Treibhausgasemissionen und stärkt
zugleich ihre Resilienz, indem sie sich wirksam an die Folgen des Klimawandels anpasst.

KK1 Klimaschutz

Die DMO bindet den Tourismus in bestehende regionale Klimaschutzprozesse ein oder entwickelt eigene Strategien für den Tourismus. Als
Schnittstelle zwischen Klimapolitik und touristischen Akteur*innen macht sie die Emissionswirkungen touristischer Aktivitäten transparent, setzt
Ziele und steuert Maßnahmen.

KK2 Anpassung an Klimafolgen

Die DMO geht die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels in der Destination strategisch an. Auf Grundlage einer systematischen
Betrachtung von Klimarisiken für den Tourismus – etwa Gesundheitsrisiken durch Hitze, UV-Strahlung oder Extremwetter – plant, koordiniert
und setzt sie geeignete Maßnahmen um.


Zukunftsgerichtete Mobilität: Die öffentliche Mobilität in der Destination ist auf die Bedürfnisse von
Einheimischen und Gästen abgestimmt und möglichst klimaverträglich gestaltet.

MB1 Bedarfsgerechte Mobilitätskonzepte

Touristische Angebote werden in regionale Verkehrssysteme eingebunden und in Mobilitätskonzepten möglichst gleichrangig berücksichtigt.
Dafür stimmt die DMO die touristischen Mobilitätsbedarfe eng mit der kommunalen Verkehrsplanung ab.

MB2 Umweltverträgliche An- und Abreise

Die DMO macht klimaverträgliche Mobilitätsoptionen sichtbar, verständlich und attraktiv. Sie informiert dabei selbst aktiv und motiviert Leistungsträger*
innen, die Reisekette konsequent klimafreundlich zu kommunizieren.

MB3 ÖPNV-Nutzung vor Ort

Umweltverträgliche Mobilität vor Ort soll sichtbar, attraktiv und einfach nutzbar sein. Die DMO wirkt darauf hin, dass der ÖPNV durch klare
Kommunikation zu einem festen Bestandteil des touristischen Erlebnisses wird, etwa durch leicht auffindbare Hinweise auf gut erreichbare Orte
und Angebote.


Biologische Vielfalt: Tourismus steht im Einklang mit der Natur und trägt zum Schutz von Ökosystemen
und biologischer Vielfalt bei.

BV1 Strategische Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Naturschutz

Tourismus und Naturschutz betrachten Biodiversität und intakte Ökosysteme als ihre gemeinsame Verantwortung und die Grundlage touristischer
Attraktivität. Die DMO sorgt dafür, dass der Tourismus an relevanten Austauschformaten mit dem Naturschutz beteiligt ist, stärkt den
Dialog, klärt Zuständigkeiten und schafft Transparenz im Umgang mit Erkenntnissen.

BV2 Schutz sensibler Lebensräume

Der Schutz sensibler Lebensräume wird von Beginn an berücksichtigt – nicht erst als Reaktion auf Schäden, sondern vorbeugend. Die DMO
prüft touristische Aktivitäten regelmäßig auf ihre Auswirkungen auf Natur und Artenvielfalt.

BV3 Naturnahe Flächen und Außenanlagen

Die DMO übernimmt Verantwortung und gestaltet eigene Flächen naturnah, standortgerecht und jahreszeitlich passend. Die eigenen Flächen
dienen dabei als Vorbild und Lernort: Sie zeigen, dass Naturschutz und Tourismusentwicklung zusammengehen können, und werten Siedlungsund
Aufenthaltsräume ökologisch auf.


Ressourcenmanagement: Der Tourismus geht verantwortungsvoll und sparsam mit Ressourcen um.

RM1 Abwasser- und Wassermanagement

Die DMO vernetzt Tourismus, Verwaltung und Öffentlichkeit und schafft Transparenz, etwa durch eine verständliche Kommunikation zu Wasserqualität
und -verbrauch. Ein vorausschauender Umgang mit Wasser hilft, Engpässe und Qualitätsrisiken frühzeitig zu erkennen.

RM2 Verantwortungsvoller Materialeinsatz

Die DMO setzt Impulse für Ressourceneffizienz und bringt tourismusrelevante Perspektiven in kommunale und regionale Kreislaufstrategien
ein. Sie trägt dazu bei, Verantwortlichkeiten, Informationen und vorhandene Angebote in der Destination zu bündeln, aufzubereiten und zu
kommunizieren.