Tourismusakzeptanzsaldo

Tourismusakzeptanzsaldo

Bereich: Vorteile für die Bevölkerung

Informationen

Allgemeine Informationen

Relevanz/Aussagekraft:

Der Tourismusakzeptanzsaldo (TAS) misst, wie die Bevölkerung die Auswirkungen des Tourismus im eigenen Wohnort wahrnimmt. Er dient als Indikator dafür, wie die Bewohner*innen die Auswirkungen des Tourismus auf ihren Wohnort (TAS-W) sowie für sich persönlich (TAS-P) wahrnehmen. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 („überwiegend negativ“) bis 5 („überwiegend positiv“).

Die TAS-Werte werden als Differenz zwischen dem Anteil der positiv eingestellten Personen (Top-2-Wert der Skala) und dem Anteil der negativ eingestellten Personen (Low-2-Wert der Skala) berechnet. Ein positiver TAS signalisiert Zustimmung und Akzeptanz, während ein negativer TAS mit Ablehnung einhergeht und mehr negative als positive Haltungen anzeigt.

Der Indikator unterstützt das Nachhaltigkeitsmonitoring im Bereich der sozialen Verantwortung und kann als Frühwarnsystem für potenzielle Akzeptanzprobleme fungieren. Dadurch können aufkommende und auch bestehende Herausforderungen identifiziert und geeignete Maßnahmen zur Minderung negativ wahrgenommener Auswirkungen eingeleitet werden. Der Indikator ist somit sowohl für reaktive Interventionen von Bedeutung wenn Akzeptanzprobleme bereits vorliegen, ermöglicht es Destinationen aber auch, die Tourismusentwicklung proaktiv zu gestalten und dabei die Interessen der lokalen Bevölkerung zu berücksichtigen. Darüber hinaus bildet er eine wichtige Grundlage für Kommunikationsstrategien, bewusstseinsbildende Kampagnen sowie für die Einbindung der Bevölkerung in der touristischen Planung und Gestaltung.

Die Tourismusakzeptanzsalden besitzen somit im Rahmen der Destinationsentwicklung eine hohe Relevanz als Indikatoren sozialer Nachhaltigkeit. Da die Bewohner*innen das Erlebnis der Gäste maßgeblich mitprägen, tragen sie entscheidend dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit eines Reiseziels langfristig zu sichern. In diesem Zusammenhang weist der Indikator auch eine ökonomische Bedeutung auf.


Definitionen/Begriffsklärungen:

Unnter dem Begriff „Bewohner*innen“ versteht man die ständige Wohnbevölkerung einer Destination. Dazu zählen alle Personen, die ihren Hauptwohnsitz in dem jeweiligen Gebiet haben.              

TAS-W (Wohnort) misst die von den Probanden wahrgenommenen Auswirkungen des Tourismus auf ihren Wohnort.

TAS-P (Persönlich) misst die von den Probanden wahrgenommenen Auswirkungen des Tourismus im Wohnort auf sich persönlich.


Empfohlene Ebene:

Es wird die nationale Ebene, die Landesebene sowie die regionale und lokale Ebene empfohlen.


Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:

Seit 2019 werden die Indikatoren TAS-W und TAS-P in Deutschland im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Deutschen Tourismusverband (DTV) und dem Deutschen Institut für Tourismusforschung (DI Tourismusforschung) jährlich auf Bundesebene erhoben. Der TAS hat sich inzwischen als sozialer Nachhaltigkeitsindikator etabliert, der die Perspektive der Einwohnerinnen und Einwohner in der deutschen Destinationspraxis abbildet. Bislang wurde er in über 130 deutschen Destinationen einmalig oder mehrfach angewendet. Seit 2024 wird das vom DI Tourismusforschung entwickelte TAS-Konzept auch in Österreich sowie seit 2025 in Slowenien eingesetzt und ab 2026 erfolgt die Erhebung der TAS-Werte zudem in weiteren europäischen Ländern.

Für die Durchführung der Befragung wird die Verwendung einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe empfohlen. In der Praxis übernehmen daher meist spezialisierte Marktforschungsdienstleister die Feldarbeit der TAS-Messungen. Eine eigenständige Umsetzung durch Destination Management Organisationen (DMOs) oder Kommunen ist – wenn überhaupt – nur mit erheblichem Aufwand realisierbar und geht häufig mit methodischen Einschränkungen einher, beispielsweise hinsichtlich der Bevölkerungsrepräsentativität der Ergebnisse. Zur Erleichterung der Finanzierung und zur Gewährleistung einer einheitlichen Befragungsmethodik, die idealerweise eine Kombination aus Online- und telefonischer Befragung (dual frame, d.h. Festnetz- und Mobilfunknummern) umfasst, haben sich standardisierte Erhebungspakete mit festen Paketpreisen für Orte, Regionen und Bundesländer bewährt.


Hinweis: Für die Erstellung dieses Steckbriefes wurden inhaltliche Grundlagen aus folgenden Quellen herangezogen:

Seeler, S., & Eisenstein, B. (2024). Residents’ attitudes and sustainable destination development: Introducing the tourism acceptance score. In M. Pillmayer, M. Karl, & M. Hansen (Hrsg.), Tourism destination development: A geographic perspective on destination (S. 197–218). De Gruyter.

Eisenstein, B., & Schmücker, D. (2021). Overtourism?! Zur Tourismusakzeptanz der Bevölkerung in Deutschland. In S. Brandl, W. Berg, M. Herntrei, G.C. Steckenbauer & S. Lachmann-Falkner (Hrsg.), Tourismus und ländlicher Raum: Innovative Strategien und Instrumente für die Zukunftsgestaltung (S. 33–50), Erich Schmidt Verlag. 
 

Erhebung

Parameter:

Messskala:
5-stufige Skala von „1 = überwiegend negativ“ bis „5 = überwiegend positiv“, zusätzlich Option „weiß nicht“

Berechnung des TAS-Wertes:
Differenz zwischen dem Anteil der positiv eingestellten Bewohner*innen (Top-2-Wert) und dem Anteil der negativ eingestellten Bewohner*innen (Low-2-Wert)

Spektrum der TAS-Werte:
Werte zwischen -100 (geringste Akzeptanz) und +100 (höchste Akzeptanz)


Datenquelle:

Repräsentative Befragung der Wohnbevölkerung ab 16 Jahre über Drittanbieter oder per Eigenerhebung (mit Einschränkungen) 


Erhebnungsfrequenz:

alle 3 Jahre


Schritte zur Erhebung:

1. Definition der Zielgruppe: Bewohner*innen ab 16 Jahre der betrachteten Destination

2. Befragungsmethode: für die Wohnbevölkerung ab 16 Jahre repräsentative Hybrid-Befragung (online, telefonisch (dual frame))

3. Frage zu TAS-W (Wohnort):
„Wie sehen Sie die Auswirkungen des Tourismus auf [Wohnort] in der heutigen Situation?“
Antwortskala:
1 = überwiegend negativ
2 = eher negativ
3 = neutral
4 = eher positiv
5 = überwiegend positiv
Option: „weiß nicht“

4. Frage zu TAS-P (persönlich):
„Wie sehen Sie die Auswirkungen des Tourismus in [Wohnort] in der heutigen Situation für sich persönlich?“
Antwortskala:
1 = überwiegend negativ
2 = eher negativ
3 = neutral
4 = eher positiv
5 = überwiegend positiv
Option: „weiß nicht“

5. Berechnung der TAS-Werte:
Für beide Fragen wird der Saldo berechnet:
Anteil positiver Antworten (Skalenwerte 4 + 5) abzüglich Anteil negativer Antworten (Skalenwerte 1 + 2).
→ Ergebnis: TAS-W und TAS-P (–100 bis +100).


Beispielberechnung

In einer Befragung von n = 400 Personen antworteten:
60 % mit „eher positiv“ oder „überwiegend positiv“ (Top-2-Wert)
20 % mit „eher negativ“ oder „überwiegend negativ“ (Low-2-Wert)
20 % mit „neutral“ oder „weiß nicht“

Tourismusakzeptanzsaldo (TAS) = 60 % – 20 % = +40 


Geschätzte Kosten:

Die Erhebungskosten nur für die Messung der TAS-Werte liegen noch im vierstelligen Bereich; in Kombination mit zusätzlichen Fragen an die Bevölkerung im niedrigen fünfstelligen Bereich
 

Auswertung

Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge: 

Das Ziel besteht darin, einen möglichst hohen Anteil an Top-2-Werten und einen möglichst niedrigen Anteil an Low-2-Werten zu erreichen, die eine positive Wahrnehmung der Auswirkungen des Tourismus sowohl auf den Wohnort (TAS-W) als auch auf die eigene Person (TAS-P) widerspiegeln. Gleichzeitig ist es Ziel, die Low-2-Werte möglichst gering zu halten, so dass positive TAS-Werte resultieren.

Langfristig sollte eine stabile (bei bereits hohen TAS-Werten) oder eine positive Entwicklung beider Werte angestrebt werden, um die gesellschaftliche Akzeptanz der touristischen Entwicklung in der jeweiligen Destination zu gewährleisten. Die Grundlage hierfür bildet eine regelmäßige Erhebung der TAS-Werte, die als Indikatoren für Handlungsbedarfe dienen. Für die Umsetzung konkreter, destinationsspezifischer Maßnahmen ist darüber hinaus eine vertiefte Analyse der situativen Hintergründe der erzielten Akzeptanzwerte erforderlich.

Obwohl die Zielrichtung klar definiert ist, sollten konkrete Zielwerte individuell für jede Destination festgelegt werden. 


Interpretationshilfe: 

Ein TAS-Wert von –100 signalisiert ausschließlich negative Bewertungen, während ein Wert von +100 ausschließlich positive Einschätzungen widerspiegelt. Ein hoher positiver Saldo deutet auf eine breite Unterstützung des Tourismus seitens der Bewohner*innen hin, wohingegen ein negativer Wert überwiegend ablehnende Haltungen anzeigt, die beispielsweise auf wahrgenommene Belastungen oder Nutzungskonflikte zurückzuführen sein können.

Bei der Interpretation des TAS-Werts ist zu berücksichtigen, dass sowohl hohe als auch niedrige Werte unterschiedliche Ursachen haben können. So kann ein niedriger positiver TAS-Wert einerseits durch einen vergleichsweise hohen Anteil der Bevölkerung mit negativer Wahrnehmung (Low-2-Box) bedingt sein, andererseits aber auch durch einen relativ hohen Anteil an neutralen statt positiven Bewertungen entstehen. Die Einordnung und der Vergleich von Tourismusakzeptanzwerten im zeitlichen und räumlichen Kontext erfordern daher eine sorgfältige Analyse der spezifischen Situation der jeweiligen Destination.

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