Lohnniveau im Tourismus
Zusatzindikator: Bereich Gute Arbeit im Tourismus
Informationen
Allgemeine Informationen
Relevanz/Aussagekraft:
Der Indikator misst den Anteil der Beschäftigten im Tourismus, deren Einkommen über der Niedriglohnschwelle liegt – also mehr als zwei Drittel des Medianlohns aller Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft beträgt. Er zeigt damit, wie fair und wettbewerbsfähig das Lohnniveau der Branche im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren ist und dient als Gradmesser für soziale Gerechtigkeit, Arbeitgeberattraktivität und Fachkräftesicherung im Tourismus.
Ein hoher Anteil über dieser Schwelle steht für angemessene Entlohnung, stabile Beschäftigungsverhältnisse und eine höhere Lebensqualität der Beschäftigten. Ein niedriger Anteil signalisiert hingegen Einkommensrisiken und strukturelle Schwächen der Branche.
Der Indikator leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Bewertung der sozialen Dimension nachhaltiger Tourismusentwicklung. Er unterstützt politische und betriebliche Entscheidungen zur Förderung fairer Löhne, zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Stärkung der Attraktivität touristischer Berufe.
Definitionen/Begriffsklärungen:
Der Indikator misst den Anteil der Beschäftigten im Tourismus, deren Einkommen über der Niedriglohnschwelle liegt – also mehr als zwei Drittel des Medianlohns aller Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft beträgt. Er zeigt damit, wie fair und wettbewerbsfähig das Lohnniveau der Branche im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren ist und dient als Gradmesser für soziale Gerechtigkeit, Arbeitgeberattraktivität und Fachkräftesicherung im Tourismus.
Ein hoher Anteil über dieser Schwelle steht für angemessene Entlohnung, stabile Beschäftigungsverhältnisse und eine höhere Lebensqualität der Beschäftigten. Ein niedriger Anteil signalisiert hingegen Einkommensrisiken und strukturelle Schwächen der Branche.
Der Indikator leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Bewertung der sozialen Dimension nachhaltiger Tourismusentwicklung. Er unterstützt politische und betriebliche Entscheidungen zur Förderung fairer Löhne, zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Stärkung der Attraktivität touristischer Berufe.
Empfohlene Ebene:
Es wird sowohl die regionale als auch die Landesebene empfohlen.
Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:
Die Berechnung des Indikators basiert auf Daten des Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, die nur sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte erfassen. Damit bleibt ein großer Teil der touristischen Erwerbstätigen, insbesondere Saison-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte, unberücksichtigt, was zu einer tendenziellen Überschätzung des Lohnniveaus führen kann.
Zur Verbesserung der Datengrundlage sollten Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit (Entgeltstatistik) oder des Statistischen Bundesamts (Verdiensterhebung, Destatis) geprüft werden, um branchenspezifische Niedriglohnquoten für das Gastgewerbe (WZ 55–56) auf Landes- oder Regionalebene zu ermitteln. Derzeit ist eine direkte Ermittlung dieses Indikators auf regionaler Ebene nur über Schätzungen bzw. Modellierungen möglich. Langfristig ist eine Erweiterung der Analyse um tourismusnahe Tätigkeiten außerhalb von Beherbergung und Gastronomie sinnvoll, um ein vollständigeres Bild der Beschäftigungsrealität im Tourismus zu erhalten. Es besteht somit weiterer Forschungsbedarf.
Erhebung
Parameter:
Anteil (in %) der Arbeitnehmer*innen , deren Verdienst mehr als zwei Drittel des mittleren Verdienstes (Median) (Niedriglohnschwelle) aller Arbeitnehmer*innen beträgt
Datenquelle:
● Statistisches Bundesamt (Destatis): Niedriglohnschwelle und Niedriglohnquote
auf Bundesebene; Link: Niedriglohnquote – Statistisches Bundesamt und Destatis – Niedriglohnbeschäftigte und Niedriglohnschwelle
● Bundesagentur für Arbeit (BfA) – Entgeltatlas / Entgeltstatistik: Median- und Quartilswerte der Bruttomonatsentgelte für Vollzeitbeschäftigte nach Wirtschaftszweigen (z. B. Beherbergung WZ 55, Gastronomie WZ 56); verfügbar für Landesebene und teilweise regionale Ebene (z.B. Stadt Stuttgart); Link: BfA – Entgeltatlas
Erhebnungsfrequenz:
Jahresmittelwert der Bruttomonatsentgelte aus dem jeweils aktuellsten Datenstand (z.B. Entgeltatlas, Stand 2023)
Schritte zur Erhebung:
1. Festlegung der Referenzschwelle:
Die Niedriglohnschwelle (zwei Drittel des Medianlohns der Gesamtwirtschaft) wird aus den Daten von Destatis entnommen und gilt bundesweit einheitlich.
Quelle: Destatis – Niedriglohnbeschäftigte und Niedriglohnschwelle
2. Auswahl des relevanten Wirtschaftszweigs:
Für den Tourismus werden die Branchen Beherbergung (WZ 55) und Gastronomie (WZ 56) verwendet.
3. Ermittlung der branchenspezifischen Medianlöhne:
Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit
Auswahl relevanter Wirtschaftszweige:
WZ 55 – Beherbergung
WZ 56 – Gastronomie
Ergänzend (optional): Berufe mit Tourismusbezug, z. B.
Reiseverkehrskaufleute, Freizeitdienstleistungen, Gästeführer, Eventmanagement, Tourismusorganisationen, Mobilitätsdienstleister.
→ Diese können in einer erweiterten Betrachtung einbezogen werden, sofern die Datenlage dies zulässt.
Der Entgeltatlas bietet Medianlöhne nach Region (Bund, Land, Kreis).
4. Bestimmung des Anteils über der Niedriglohnschwelle (Indikatorwert):
Der Anteil der Beschäftigten, deren Einkommen über der Niedriglohnschwelle liegt, kann auf zwei Wegen bestimmt werden:
● Exakt: über Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit (Entgeltverteilungen, Dezile/Perzentile) oder der Statistischen Ämter (Verdiensterhebung) für die relevanten Wirtschaftszweige.
Die Niedriglohnquote im Gastgewerbe (WZ 55–56) liegt derzeit nur auf Bundesebene vor und wird regelmäßig von Destatis veröffentlicht.
Quelle: Destatis – Niedriglohnbeschäftigte und Niedriglohnschwelle (Verdiensterhebung)
● Näherungsweise: durch Vergleich des Medianlohns der Branche (BfA Entgeltatlas) mit der bundesweiten Niedriglohnschwelle und modellhafte Ableitung des Anteils (z. B. ca. 45 %, wenn Medianlohn 10 % unter Schwelle liegt).
Auswertung
Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge:
Der Indikator zielt auf eine Verbesserung des Lohnniveaus im Tourismus ab, das heißt auf einen steigenden Anteil der Beschäftigten mit Einkommen oberhalb der Niedriglohnschwelle. Eine positive Entwicklung zeigt sich, wenn die Niedriglohnquote sinkt und die durchschnittlichen Einkommen im Beherbergungs- und Gastronomiebereich näher an das allgemeine Lohnniveau der Gesamtwirtschaft heranrücken.
Interpretationshilfe:
Der Indikator zeigt den Anteil von Beschäftigten im Tourismus, deren Einkommen oberhalb der Niedriglohnschwelle liegt, und dient damit als Maß für die soziale Leistungsfähigkeit und Einkommensgerechtigkeit innerhalb der Branche. Er spiegelt die Struktur der Entlohnung wider, nicht jedoch die gesamte wirtschaftliche Situation der Beschäftigten.
Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass die zugrunde liegenden Daten ausschließlich sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen abbilden. Damit bleiben Teilzeit-, Saison- und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, die einen erheblichen Anteil des touristischen Arbeitsmarkts ausmachen, unberücksichtigt. Das tatsächliche Einkommensniveau im Tourismus kann daher niedriger liegen als vom Indikator dargestellt.
Darüber hinaus erfasst der Indikator keine qualitativen Arbeitsaspekte wie Beschäftigungssicherheit, Arbeitszufriedenheit, Überstunden oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch regionale Kostenstrukturen (z. B. Mieten, Lebenshaltung) und branchenspezifische Unterschiede (z. B. zwischen Hotellerie, Gastronomie oder Freizeitwirtschaft) müssen bei der Einordnung berücksichtigt werden.
Zur belastbaren Bewertung sollte der Indikator im Zeitverlauf betrachtet und mit ergänzenden Kennzahlen zur Beschäftigungssicherheit und Arbeitsqualität kombiniert werden, um ein umfassendes Bild der sozialen Nachhaltigkeit im Tourismus zu erhalten.