Beschäftigungssicherheit im Tourismus

Beschäftigungssicherheit im Tourismus

Bereich: Gute Arbeit im Tourismus

Informationen

Allgemeine Informationen

Relevanz/Aussagekraft:

Der Indikator misst die Stabilität der Beschäftigung im Jahresverlauf und zeigt, in welchem Maß saisonale Schwankungen das Beschäftigungsniveau im Tourismus beeinflussen. Er dient damit als zentraler Gradmesser für die Beschäftigungssicherheit und die soziale Nachhaltigkeit touristischer Arbeitsmärkte.

Erfasst wird das Verhältnis zwischen der Zahl der Beschäftigten im übernachtungsstärksten Monat (Hauptsaison) und im übernachtungsschwächsten Monat (Nebensaison). Ein geringer saisonaler Abstand weist auf eine kontinuierliche Beschäftigung und stabile Arbeitsverhältnisse hin, während ein hoher Abstand auf saisonabhängige und prekäre Beschäftigungsstrukturen schließen lässt.

Der Indikator ist besonders relevant für touristisch stark saisonal geprägte Regionen – etwa Küsten- und alpinen Destinationen –, da dort die Arbeitsplatzsicherheit und die Einkommenssituation stark von saisonalen Spitzen abhängen. Er ermöglicht es, regionale Arbeitsmarktrisiken frühzeitig zu erkennen, strukturelle Abhängigkeiten sichtbar zu machen und Maßnahmen für dauerhafte und faire Beschäftigungsmodelle zu unterstützen.

Definitionen/Begriffsklärungen:

Hauptsaison
Der Monat mit den höchsten Übernachtungszahlen innerhalb eines Jahres (übernachtungsstärkster Monat).

Nebensaison
Der Monat mit den geringsten Übernachtungszahlen innerhalb eines Jahres (übernachtungsschwächster Monat).

Die Definition erfolgt destinationenspezifisch, da saisonale Muster regional variieren.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
Umfasst alle abhängig Beschäftigten, die in der gesetzlichen Sozialversicherung gemeldet sind (Vollzeit und Teilzeit, ohne Minijobs und Selbstständige). Diese Gruppe wird verwendet, da für sie monatlich belastbare Daten vorliegen.

Tourismusrelevante Branchen
Beinhaltet in der Regel die Wirtschaftszweige Beherbergung (WZ 55) und Gastronomie (WZ 56). Ergänzend können, sofern Daten verfügbar sind, angrenzende Branchen der Freizeit-, Kultur- oder Verkehrsökonomie einbezogen werden.


Empfohlene Ebene:

Es wird sowohl die lokale, regionale als auch die Landesebene empfohlen.


Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:

Der Indikator basiert auf Daten zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und bildet damit nur einen Teil des touristischen Arbeitsmarkts ab. Saisonkräfte, Minijobs und kurzfristig Beschäftigte bleiben unberücksichtigt, obwohl sie in vielen Destinationen einen erheblichen Anteil der Erwerbstätigen stellen. Dadurch kann die tatsächliche saisonale Volatilität der Beschäftigung unterschätzt werden.

Die räumliche Auflösung der verfügbaren Beschäftigungsdaten ist zudem begrenzt. Eine differenzierte Auswertung auf Destinationsebene ist meist nicht möglich, da die Statistik in der Regel nur Werte auf Landes- oder Kreisebene liefert. Auch die Abgrenzung der tourismusrelevanten Branchen (z. B. Beherbergung, Gastronomie, Freizeitwirtschaft) ist nicht standardisiert und kann die Vergleichbarkeit zwischen Regionen einschränken.

 

Erhebung

Parameter:

Prozentuale Differenz der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen Haupt- und Nebensaison.

    Berechnung: (BHauptsaison - BNebensaison)/BHauptsaison x 100

B = Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im jeweiligen Monat (übernachtungsstärkster und übernachtungsschwächster)


Datenquelle:

- Bundesagentur für Arbeit (BfA)

- Statistische Landesämter (Indexwerte)

- Übernachtungsstatistik zur Bestimmung saisonaler Monate


Erhebnungsfrequenz:

Jährlich (basierend auf Monatswerten)


Schritte zur Erhebung:

1. Festlegung der relevanten Branchen:
Auswahl der tourismusrelevanten Wirtschaftszweige, in der Regel Beherbergung (WZ 55) und Gastronomie (WZ 56).

2. Bestimmung von Haupt- und Nebensaison:
Ermittlung des übernachtungsstärksten und übernachtungsschwächsten Monats anhand der monatlichen Beherbergungsstatistik der jeweiligen Region oder Destination. Datenquelle: Statistische Landesämter oder das Statistische Bundesamt (Destatis) 

3. Erhebung der Beschäftigtenzahlen:
Abruf der monatlichen Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) für die definierten Branchen und die entsprechende räumliche Ebene (Land, Region, Kreis).
Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit – Statistikportal Beschäftigung

4. Berechnung des saisonalen Beschäftigungsabstands:
Anwendung der Formel

    (BHauptsaison - BNebensaison)/BHauptsaison x 100

zur Bestimmung des prozentualen Rückgangs der Beschäftigten von Haupt- zu Nebensaison.
 

 


     
 

 

Auswertung

Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge: 

Angestrebt wird eine Verringerung des saisonalen Beschäftigungsabstands, mindestens jedoch sollte die Differenz nicht weiter ansteigen. Die Zielrichtung ist somit klar trendorientiert: Ein stabiler oder sinkender Abstand über die Zeit steht für höhere Beschäftigungssicherheit, eine geringere Abhängigkeit von Saisonspitzen und einen sozial nachhaltigeren Arbeitsmarkt. Die Zielwerte sind destinationsspezifisch festzulegen – abhängig von regionaler Saisonalität, Branchenstruktur und wirtschaftlicher Entwicklung. Es ist hier jedoch auf eine vorsichtige Interpretation der Daten zu achten, da eine Schwankung von Beschäftigungszahlen in den jeweiligen Saisons auch von externen Faktoren abhängig sein kann (besondere Events, externe Effekte wie länger anhaltende Umweltereignisse etc.). Hier empfiehlt es sich, die Gesamtverteilung der monatlichen Beschäftigungszahlen zusätzlich zu betrachten.


Interpretationshilfe: 

Ein niedriger saisonaler Beschäftigungsabstand weist auf eine stabile, ganzjährige Beschäftigung hin, während ein hoher Abstand auf starke saisonale Abhängigkeiten und potenziell unsichere Arbeitsverhältnisse schließen lässt. Die Ergebnisse sollten stets im Zeitverlauf derselben Destination betrachtet werden, da die Entwicklungstendenz aussagekräftiger ist als der absolute Wert. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Festlegung von Haupt- und Nebensaison auf Übernachtungszahlen basiert und sich je nach Destination unterscheiden kann.

Die Interpretation muss zudem die Datenbasis reflektieren: Erfasst werden nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, wodurch Teilzeitkräfte, Minijobs und kurzfristig Beschäftigte unberücksichtigt bleiben. Auch externe Einflüsse wie gesetzliche Änderungen, konjunkturelle Schwankungen, Wetterereignisse oder Großveranstaltungen können die Werte beeinflussen. Der Indikator zeigt somit die saisonale Amplitude der Beschäftigung, erlaubt jedoch keine Rückschlüsse auf Lohnniveau, Arbeitsqualität oder individuelle Einkommenssicherung.

 

 

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