Touristische Quellmarktverteilung

Touristische Quellmarktverteilung

Bereich: Ausgewogener Tourismus

Informationen

Allgemeine Informationen

Relevanz/Aussagekraft:

Der Indikator misst die Verteilung touristischer Ankünfte auf die wichtigsten Quellmärkte und macht damit sichtbar, wie ausgewogen die touristische Nachfrage strukturiert ist. Er bildet eine wesentliche Grundlage für die strategische Marktentwicklung und gibt Aufschluss über Abhängigkeiten von einzelnen Herkunftsregionen.

Eine breite Streuung der Quellmärkte stärkt die Krisenresilienz und wirtschaftliche Stabilität einer Destination, während eine zu starke Konzentration auf wenige Märkte die Anfälligkeit gegenüber externen Einflüssen wie geopolitischen Entwicklungen, Nachfragerückgängen oder veränderten Reisetrends deutlich erhöht. Auch für die ökologische Dimension ist der Indikator relevant: Ein hoher Anteil an Fernmärkten ist mit einer überdurchschnittlichen Emissionsbelastung verbunden, während eine stärkere Ausrichtung auf nahegelegene Märkte die Umweltbilanz verbessert.

Die Problemrelevanz ist insgesamt mittel bis hoch, insbesondere für stark international ausgerichtete Destinationen. Eine diversifizierte Quellmarktstruktur trägt langfristig zur Risikominimierung, zur nachhaltigen  Auslastung touristischer Kapazitäten und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bei.


Definitionen/Begriffserklärungen:

“Quellmarkt” ist die Bezeichnung für das Land oder die Region, in der die Gäste ihren Wohnsitz haben. Quellmärkte können national (z. B. Bundesländer innerhalb Deutschlands) oder international (z. B. Nachbarländer, Fernmärkte) abgegrenzt werden. Für diesen Indikator gibt es international einheitliche Begriffsdefinitionen (UN IRTS:2008, 2010)


Empfohlene Ebene:

Vorrangig Landesebene (amtliche Beherbergungsstatistik verfügbar); ergänzend regionale Ebene über Gästebefragungen oder digitale Analysen, sofern die Datengrundlage ausreichend ist.


Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:

Die Quellmarktverteilung bildet ausschließlich die Herkunft der Übernachtungsgäste ab und berücksichtigt damit weder Tagestourismus noch den informellen Beherbergungsmarkt (z. B. nicht gemeldete Privatvermietungen). Damit kann das tatsächliche Bild der Gästestruktur verzerrt sein.

Zudem hängt die Aussagekraft stark von der gewählten Abgrenzung der Märkte ab: Je nachdem, ob Quellmärkte auf Länderebene, nach Bundesländern oder nach Regionen differenziert werden, ergeben sich unterschiedliche Ergebnisse. Auch Veränderungen in der statistischen Erfassung (z. B. neue Herkunftskategorien oder geänderte Meldepflichten) können die Vergleichbarkeit über längere Zeiträume erschweren. Daher ist zu prüfen, wie der Indikator noch stärker ausdifferenziert werden kann, bspw. indem die Top-Quelllmärkte auf Bundeslandebene in Relation zu den Top-Quellmärkten international gesetzt werden können.
 

 

 

Erhebung

Parameter:

Anteil der Übernachtungen aus den Top 3 Herkunftsländern (international) und Top 3 Bundesländern, gemessen an der Gesamtzahl der Übernachtungen.


Datenquelle:

Landesweite Tourismusstatistik für Übernachtungsgäste und Gästebefragungen


Erhebungsfrequenz:

Monatliche Ausweisung


Schritte zur Erhebung:

Auf Landesebene:
1. Datenabruf: Nutzung der amtlichen Beherbergungsstatistik der Statistischen Landesämter oder von Destatis 

2. Datenfilterung: Auswahl der relevanten Indikatoren „Gästeankünfte“ und „Herkunft der Gäste“ (Inland / Ausland sowie Herkunftsländer).

3. Berechnung: Ermittlung der prozentualen Verteilung der Gäste nach Quellmärkten und Darstellung im Zeitverlauf.

4. Analyse: Vergleich mit dem bundesweiten Durchschnitt und Bewertung der Entwicklung der wichtigsten Herkunftsmärkte.

Auf regionaler Ebene:
1. Datenerhebung: Durchführung standardisierter Gästebefragungen (z. B. Online-, Telefon- oder Face-to-Face-Umfragen) mit Herkunftsfrage nach Wohnort, Postleitzahl oder Land. Die international gängige Begriffsdefinition ist hier anzuwenden (UN IRST:2008, S. 11ff).

2. Stichprobendesign: Sicherstellung einer repräsentativen Verteilung über Saison, Unterkunftsarten und Herkunftsregionen.

3. Datenauswertung: Berechnung der prozentualen Anteile der Herkunftsregionen und Identifikation der wichtigsten Quellmärkte.

 

Auswertung

Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge:

Eine ausgewogene Quellmarktverteilung ist zumeist wünschenswert, da sie die Abhängigkeit von einzelnen Herkunftsländern oder Bundesländern reduziert und die Krisenresilienz stärkt. Gleichzeitig kann es strategisch sinnvoll sein, sich auf bestimmte Märkte zu konzentrieren – etwa wenn diese besonders zahlungskräftig, treu oder passgenau zur Angebotsstruktur sind. Die Bewertung der Verteilung hängt daher immer vom Profil und den Entwicklungszielen der jeweiligen Destination ab.

Aus Nachhaltigkeitssicht ist eine stärkere Orientierung auf Nah- und Binnenmärkte positiv, da kürzere Anreisen die ökologische Bilanz verbessern. Ein hoher Anteil internationaler Fernmärkte kann dagegen die Emissionsbelastung erhöhen, bringt aber häufig höhere Pro-Kopf-Ausgaben mit sich. Es bietet sich daher an, die internationalen und nationalen Quellmärkte auch miteinander zu vergleichen.


Interpretationshilfe:

Die Aussagekraft des Indikators hängt stark von der Art der Destination und ihrer strategischen Ausrichtung ab. Städtedestinationen weisen oft eine hohe Internationalität auf, während ländliche Urlaubsregionen stärker von Binnenmärkten getragen sind. Ein hoher Anteil weniger Quellmärkte signalisiert potenzielle Abhängigkeiten, während eine breite Streuung die Resilienz erhöht. Vergleiche zwischen Destinationen sind daher nur eingeschränkt sinnvoll und sollten immer im Kontext von Angebotsstruktur, Zielgruppen und Erreichbarkeit betrachtet werden.
 

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