Touristische Aufenthaltsdauer
Bereich: Ausgewogener Tourismus
Informationen
Allgemeine Informationen
Relevanz/Aussagekraft:
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist ein bedeutender Indikator für das Reiseverhalten sowie für die ökonomischen und ökologischen Wirkungen des Tourismus. Längere Aufenthalte erhöhen in der Regel die regionale Wertschöpfung pro Gast und senken zugleich den relativen Ressourcenverbrauch sowie die emissionsbezogene Belastung pro Übernachtung.
Als Entwicklungsindikator macht er Veränderungen im Reiseverhalten sichtbar und liefert Hinweise auf Angebotsstruktur, Aufenthaltsqualität und saisonale Muster.
Die Problemrelevanz ist insgesamt als mittelgroß einzuschätzen: Viele Destinationen stoßen bei der Verlängerung von Aufenthalten an strukturelle Grenzen, dennoch bleibt die kontinuierliche Beobachtung in Zeitreihen bedeutsam, um Stabilität, Potenziale oder Verschiebungen in der Nachfrage frühzeitig zu erkennen.
Definitionen/Begriffserklärungen:
Die Aufenthaltsdauer beschreibt die durchschnittliche Zahl der Übernachtungen pro Gast in der Destination. Sie ist international einheitlich definiert (UN IRTS:2008).
Empfohlene Ebene:
Es wird sowohl die lokale, regionale als auch die Landesebene empfohlen.
Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:
Eine Einschränkung des Indikators besteht darin, dass in der amtlichen Statistik der graue Beherbergungsmark, etwa private Vermietungen, nicht erfasst wird und damit nur ein Teil der tatsächlichen Realität abgebildet wird.
Als Entwicklungsindikator ist die Betrachtung von Zeitreihen grundsätzlich aufschlussreich, da sie Veränderungen im Reiseverhalten sichtbar machen kann. Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, ob eine Weiterentwicklung in vielen Fällen überhaupt möglich ist, da strukturelle Faktoren enge Grenzen setzen; so zeigt beispielsweise Potsdam seit Jahren nur minimale Schwankungen zwischen einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 2,4 und 2,5.
Erhebung
Parameter:
Durchschnittliche Aufenthaltsdauer
Datenquelle:
- Landesweite Tourismusstatistik für Übernachtungsgäste, bis auf Gemeindeebene
Erhebungsfrequenz:
Jährlich mit monatlicher Ausweisung
Schritte zur Erhebung:
1. Beherbergungsbetriebe sind gesetzlich verpflichtet, monatlich ihre Gästeankünfte und Übernachtungen an die zuständigen kommunalen oder Landesstatistikämter zu melden.
2. Die Meldungen werden nach bundesweit einheitlichen Vorgaben erfasst und von den Statistikämtern geprüft sowie zusammengeführt.
3. Die amtliche Tourismusstatistik veröffentlicht die Ergebnisse regelmäßig auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene.
4. Aus den veröffentlichten Daten können die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sowie Zeitreihen berechnet werden. Die Formel dafür lautet: Gesamtzahl der registrierten Übernachtungen ÷ Gesamtzahl der Gästeankünfte
Auswertung
Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge:
Eine Verlängerung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer ist ein zentrales Ziel nachhaltiger Destinationsentwicklung. Sie steigert die regionale Wertschöpfung pro Gast, senkt durch weniger An- und Abreisen die relative Umweltbelastung und fördert eine intensivere und qualitativ hochwertigere Gästeerfahrung.
Die Kennzahl sollte vor allem im Zeitverlauf innerhalb einer Destination beobachtet werden, um Entwicklungen im Nachfrageverhalten und der Angebotsstruktur zu erkennen. Als Orientierungsgröße kann der bundesdeutsche Durchschnittswert herangezogen werden, der regelmäßig in der amtlichen Tourismusstatistik (Destatis) veröffentlicht wird. Langfristig angestrebt wird eine stabile oder steigende Aufenthaltsdauer, die mit den regionalen Kapazitäten und Nachhaltigkeitszielen in Einklang steht.
Interpretationshilfe:
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer wird stark von destinationsspezifischen Rahmenbedingungen beeinflusst, weshalb direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Destinationen nur eingeschränkt sinnvoll sind. Sie hängt unter anderem von der Art der Destination (z. B. Stadt, ländlicher Raum, Küste, Gebirge), der Attraktivität und Vielfalt des Angebots, der Saisonstruktur sowie den Quellmärkten ab. Städtedestinationen weisen aufgrund kürzerer Städtereisen typischerweise geringere Werte auf, während klassische Urlaubsdestinationen mit Bade- oder Naturtourismus längere Aufenthaltsdauern verzeichnen.
Eine Veränderung der Aufenthaltsdauer muss daher immer im Kontext der jeweiligen Angebotsstruktur, Zielgruppen und Wettbewerbsbedingungen interpretiert werden.