Anteil des Tourismus an der Gesamtwertschöpfung
Fokusindikator: Bereich Wirtschaftliche Effekte des Tourismus
Informationen
Allgemeine Informationen
Relevanz/Aussagekraft:
Der Indikator spiegelt die Gesamthöhe der erzielten Arbeits- und Kapitaleinkommen durch touristische Leistungen wider und zeigt damit, welchen Beitrag der Tourismus zur wirtschaftlichen Gesamtleistung einer Region erbringt – gemessen an Arbeits- und Kapitaleinkommen. Er macht sichtbar, welchen Stellenwert der Tourismus für Wohlstand, Beschäftigung und Einkommenssicherung einnimmt und ermöglicht Vergleiche mit anderen Branchen.
Insbesondere in touristisch geprägten Regionen ist die Relevanz hoch: Eine stabile oder steigende touristische Wertschöpfung ist dort zentral für die wirtschaftliche Resilienz. Der Indikator unterstützt Politik und Verwaltung dabei, die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus datenbasiert zu bewerten und Entwicklungsstrategien gezielt auszurichten.
Definitionen/Begriffsklärungen:
TSA: Das Tourismus-Satellitenkonto ist eine Erweiterung der allgemeinen Systematik der Wirtschaftsstatistik. Da Tourismus eine Querschnittsbranche ist, müssen verschiedene Wirtschaftszweige berücksichtigt werden. Auf Basis der Ausgaben der Tourist*innen werden die Effekte auf Wirtschaftsleistung und Beschäftigung in der jeweiligen Destination abgeleitet. Das TSA ist konsistent zur amtlichen Wirtschaftsstatistik und den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, sodass Vergleiche mit anderen Wirtschaftszweigen möglich sind.
Empfohlene Ebene:
Es wird sowohl die lokale, regionale als auch die Landesebene empfohlen.
Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:
Da die Berechnung des touristischen Einkommensbeitrags sehr komplex ist, empfiehlt es sich für diesen Indikator einen Drittanbieter zu beauftragen. Aufgrund der damit entstehenden Kosten wird eine gebündelte Erhebung von Destinationen, z.B. auf Landesebene, empfohlen.
Erhebung
Parameter:
Anteil der touristischen Wertschöpfung in Relation zur Gesamtwertschöpfung Einheit: Prozent
a) auf allen räumlichen Ebenen: Wirtschaftsfaktor Tourismus nach der Methodik von dwif-Consulting GmbH: bezieht sich auf die in eine räumliche Einheit (Gemeinde, Landkreis, Bundesland) eingebrachte touristische Wertschöpfung die durch den Incoming-Tourismus /Tages. Und Übernachtungsgäste) im Zielgebiet entsteht.
b) nur auf Bundesländer-Ebene verfügbar: Tourismus-Satellitenkonto: bezieht sich neben der eingebrachten touristischen Wertschöpfung durch Tages- und Übernachtungsgäste auch auf die touristische Wertschöpfung von Outgoingreisen und sonstigem nicht-monetären Konsum und den entsprechenden Anteil an der Gesamtwertschöpfung.
Beide Ansätze messen sehr ähnliche Aspekte mit verschiedenen Ausprägungen – die Wirtschaftsfaktorberechnung dient eher der Erfolgsmessung in einem Zielgebiet und die TSA-Berechnung bildet die gesamte Tourismuswirtschaft eines Zielgebiets als Standort ab, Daraus lassen sich jeweils unterschiedliche Aussagen ableiten und dürfen daher nicht direkt miteinander verglichen werden
Datenquelle:
a) Externe Studie zum Wirtschaftsfaktor Tourismus (auf allen räumlichen Ebenen möglich)
b) Externe Studie zum Tourismus-Satellitenkonto (landesweit)
Erhebnungsfrequenz:
Alle 3-5 Jahre
Schritte zur Erhebung:
a) Wirtschaftsfaktor:
1. Gemeinschaftliche Erhebung aller Destinationen (zumindest auf Landesebene) prüfen
2. Beauftragung eines Drittanbieters zur Durchführung einer Studie zum Wirtschaftsfaktor Tourismus in der Destination
3. Anteil der touristischen Wertschöpfung in Relation zur Gesamtwertschöpfung der Region für die jeweilige Destination aus der Studie entnehmen
b) Tourismus-Satellitenkonto:
Beauftragung eines Drittanbieters zur Durchführung einer Studie zum Tourismus-Satellitenkontos des Bundeslands
Auswertung
Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge:
Entwicklung kann anhand von Zeitreihen in der eigenen Destination gemessen werden. Zielbezüge können nur individuell für die Destination festgelegt werden, je nach Ausgangslage und Zielsetzungen in der eigenen Strategie.
Interpretationshilfe:
Einige wichtige Faktoren sind z.B. die Tourismusstruktur, die Infrastrukturdichte oder auch die Art und Höhe der Tourismusausgaben. Je kleiner und ländlicher eine Destination, desto weniger ökonomische Alternativen gibt es häufig und desto wichtiger kann das relative Gewicht des Tourismus im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft ausfallen. Je nach touristischer Infrastrukturdichte gibt es ebenfalls unterschiedliche Möglichkeiten für die Gäste, Geld auszugeben und so für Einkommen aus dem Tourismus zu sorgen. Dies gilt auch für die Tourismusausgaben der Gäste. Je nach Quellmarkt und Kaufkraft der Gäste kann sich die Höhe der Ausgaben ebenso unterscheiden. Der touristische Einkommensbeitrag kann aber noch von vielen weiteren Faktoren beeinflusst werden.
Außerdem kann es zu Schwankungen des Parameters kommen, aufgrund von Veränderungen anderer Wirtschaftszweige im Zielgebiet, was zu Missinterpretationen führen könnte. Es empfiehlt sich daher neben den hier dargestellten Parameter auch die Gesamthöhe der Bruttowertschöpfung als Interpretationshilfe heranzuziehen.