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F5 Touristische Wertschöpfung

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Kennzahlenset

Dimension: Ökonomie

(F5) Touristische Wertschöpfung

Touristische Wertschöpfung

Steckbrief

Fokuskennzahl
Allgemeine Informationen

Relevanz/Aussagekraft:

Der Indikator gibt an, welchen Beitrag der Tourismus zur wirtschaftlichen Gesamtleistung (TSA) bzw. zum Primäreinkommen der privaten Haushalte (dwif-Wirtschaftsfaktor) einer Destination leistet.

Im Falle des TSA ermöglicht er zudem Vergleiche zu anderen Branchen. Er macht damit sichtbar, welchen Stellenwert der Tourismus für Wohlstand und Einkommenssicherung einnimmt.

Insbesondere in touristisch geprägten Regionen ist die Relevanz hoch: Eine stabile oder steigende touristische Wertschöpfung ist dort zentral für die wirtschaftliche Resilienz. Der Indikator unterstützt Politik und Verwaltung dabei, die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus datenbasiert zu bewerten und Entwicklungsstrategien gezielt auszurichten.


Definitionen/Begriffsklärungen:

Definiert sind zwei Parameter aus unterschiedlichen Messansätzen:

F5.1 Anteil der direkten und indirekten touristischen Wertschöpfung an der Gesamtbruttowertschöpfung (TSA)

Das Tourismus-Satellitenkonto (TSA) ist ein von UN Tourism, der OECD und Eurostat entwickeltes Regelwerk, nach welchem eine ökonomische Wirkungsanalyse des Tourismus als Nebenrechnung („Satellit“) der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) erfolgt. Ausgehend von den Aufenthaltstagen und den Ausgaben der Tourist*innen wird die mit dem Tourismus zusammenhängende Bruttowertschöpfung bestimmt. Durch die Anlehnung der Berechnung an die amtliche Wirtschaftsstatistik können in der Folge ein gesamtwirtschaftlicher Beitrag des Tourismus beziffert und ein Vergleich zu anderen Wirtschaftszwei-gen angestellt werden. Das TSA zielt darauf ab, die gesamte wirtschaftliche Bedeutung der für den Tourismus charakteristischen Wirtschaftszweige für eine Region zu ermitteln (Perspektive, die den Erfolg der Tourismuswirtschaft einer Region in der Gesamtheit betrachtet). Es umfasst die Wirkungen durch den Incoming- und Binnentourismus sowie durch den Anteil des Outgoing-Tourismus, der in der Destination verbleibt. Im Vergleich zum dwif-Wirtschaftsfaktor erfasst es zudem die Ausgaben weiterer Gästegruppen (ausländische Tagestouristen) sowie weiterer Konsumbereiche (Verkehrsleistungen, Reisenachbereitung, nicht-monetärer touristischer Konsum).

F5.2 Anteil der direkten und indirekten touristischen Wertschöpfung am Primäreinkommen der privaten Haushalte (dwif-Wirtschaftsfaktor)

Vielfach sind die Datenvoraussetzungen nicht gegeben, um TSA für kleinräumigere Destinationsebenen (z. B. Landkreis, Reisegebiet, Kommune) oder für unabhängig von amtlichen Gebietszuschnitten bestehende Destinationen anzuwenden. Im dwif-Wirtschaftsfaktor ist eine Betrachtung für kleinere sowie auch nicht an amtliche Vorgaben gebundene Einheiten möglich, da – anders als beim TSA – keine Orientierung an der amtlichen Wirtschaftsstatistik erfolgt. Allerdings kann die Methode in der Folge auch keinen Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung und keine Vergleiche mit anderen Branchen ausweisen. Ausgehend von den Aufenthaltstagen und den Ausgaben der Tourist*innen wird die mit dem Tourismus zusammenhängende Nettowertschöpfung erfasst und an-teilig am Primäreinkommen der privaten Haushalte ausgewiesen. Der dwif-Wirtschaftsfaktor zielt darauf ab, die wirtschaftlichen Effekte des touristischen Geschehens vor Ort im Zielgebiet einschätzen zu können (Zielgebiets-Perspektive, die den Erfolg der touristischen Arbeit vor Ort im Zielgebiet betrachtet). Er umfasst die Wirkungen durch den Incoming- und Binnentourismus in der Destination.


Empfohlene Ebene:

Das TSA ist nur auf Bundesland-Ebene berechenbar.

Der dwif-Wirtschaftsfaktor wird sowohl für die lokale, regionale als auch die Landesebene empfohlen.


Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:

Da die Berechnung des touristischen Einkommensbeitrags sehr komplex ist, empfiehlt es sich für die Berechnung dieses Indikators einen Drittanbieter zu beauftragen. Aufgrund der damit entstehenden Kosten wird eine gebündelte Erhebung von Destinationen, z.B. gemeinschaftliche Beauftragung durch mehrere Regionen eines Bundeslandes, empfohlen.
 

Erhebung

Parameter:

F5.1 Anteil der direkten und indirekten touristischen Wertschöpfung an der Gesamtbruttowertschöpfung (TSA)
Einheit: Prozent

F5.2 Anteil der direkten und indirekten touristischen Wertschöpfung am Primäreinkommen der privaten Haushalte (dwif-Wirtschaftsfaktor)
Einheit: Prozent


Datenquelle:

Externe Studie zum Tourismus-Satellitenkonto (auf Bundeslandebene möglich)

Externe Studie zum Wirtschaftsfaktor Tourismus (auf allen räumlichen Ebenen möglich)


Erhebnungsfrequenz:

Alle 2-5 Jahre


Schritte zur Erhebung:

Tourismus-Satellitenkonto:
Beauftragung eines Drittanbieters zur Durchführung einer Studie zum Tourismus-Satellitenkontos des Bundeslands

Wirtschaftsfaktor:
- Gemeinschaftliche Erhebung aller Destinationen (zumindest auf Landesebene) prüfen
- Beauftragung eines Drittanbieters zur Durchführung einer Studie zum Wirtschaftsfaktor Tourismus in der Destination 
- Anteil des touristisch induzierten Primäreinkommens für die jeweilige Destination aus der Studie entnehmen

 

Auswertung

Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge: 

Entwicklung kann anhand von Zeitreihen in der eigenen Destination gemessen werden. Zielbezüge können nur individuell für die Destination festgelegt wer-den, je nach Ausgangslage und Zielsetzungen in der eigenen Strategie. Neben der Kennzahl sollten auch die absoluten Werte von Wertschöpfung bzw. Primäreinkommen und deren jeweilige Entwicklung berücksichtigt werden.   


Interpretationshilfe: 

Einige wichtige Einflussfaktoren sind z.B.
- die Tourismusstruktur, also das Verhältnis Übernachtungs- zu Tagesgästen oder internationale vs. Binnengäste. Je nach Aufenthaltsdauer, Quellmarkt und Kaufkraft der Gäste kann sich die Höhe der Ausgaben unterscheiden.
- die Infrastruktur-/Angebotsdichte beeinflusst die Möglichkeiten für die Gäste in der Destination Geld für Übernachtungen, Gastronomie, Transport etc. auszugeben und so für Einkommen aus dem Tourismus zu sorgen. 
- Destinationsgröße und -lage: Je kleiner und ländlicher eine Destination, desto weniger ökonomische Alternativen gibt es häufig und desto wichtiger kann das relative Gewicht des Tourismus im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft ausfallen.
- Strukturwandel der regionalen Wirtschaft: Außerdem kann es zu Schwankungen des Parameters kommen, aufgrund von Veränderungen anderer Wirtschaftszweige im Zielgebiet. Es empfiehlt sich daher neben den hier dargestellten Parametern auch die Absolutwerte als Interpretationshilfe heranzuziehen.
Der touristische Einkommensbeitrag kann aber auch noch von vielen weiteren Faktoren beeinflusst werden.

 

Projektpartner