Tourismusintensität in Schutzgebieten

Tourismusintensität in Schutzgebieten

Bereich: Tourismus und natürliche Vielfalt

Informationen

Allgemeine Informationen

Relevanz/Aussagekraft:

Der Indikator misst die Tourismusintensität in ausgewiesenen Schutzgebieten und macht sichtbar, wie stark diese durch eine Besuchsfrequenz beansprucht werden.
Ein hoher Nutzungsdruck kann sich negativ auf Biodiversität, Lebensräume und Schutzfunktionen auswirken. Ziel ist es daher, touristische Aktivitäten in Schutzgebieten nachhaltig zu steuern, Nutzungskonflikte zu vermeiden und gleichzeitig das Erleben von Natur verantwortungsvoll zu ermöglichen. 

Die Problemrelevanz ist abhängig vom Charakter der Schutzgebiete, aber grundsätzlich hoch – insbesondere in Nationalparken und Naturschutzgebieten mit starker Frequentierung. Der Indikator kann zukünftig eine wichtige Rolle im Monitoring der Nationalen Biodiversitätsstrategie spielen.


Definitionen/Begriffsklärungen:

Schutzgebiet: Schutzgebiete sind klar abgegrenzte Flächen, die dem Schutz von Natur, Landschaft und Biodiversität dienen. Dazu zählen insbesondere Großschutzgebiete wie Naturparks, Biosphärenreservate und Nationalparks sowie Naturschutzgebiete (NSG). In Städten können darüber hinaus auch geschützte Grünflächen eine wichtige Rolle einnehmen, da sie sowohl ökologische Funktionen als auch Erholungsräume sichern.


Empfohlene Ebene:

Es wird sowohl die regionale, lokale als auch die Landesebene empfohlen.


Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:

Es existiert bislang kein amtlich-statistisches Verfahren für diesen Indikator. Aktuell wird im Rahmen des Projektes „Identifikation & Quantifizierung von Auswirkungen des Tourismus auf die biologische Vielfalt“ ein ähnlicher Indikator für die Nationale Biodiversitätsstrategie erprobt, weshalb Methodik und Umsetzbarkeit derzeit noch unsicher sind.
Die Problemrelevanz variiert zudem je nach Destination und Charakter des Schutzgebiets, was die Vergleichbarkeit erschwert. Auch Nutzungskonflikte – etwa zwischen Radfahrenden und zu Fuß Gehenden – werden bislang nicht berücksichtigt.

Eine weitere zentrale Herausforderung liegt darin, dass es keine flächendeckend präzisen Besucherzahlen gibt. Unklar bleibt auch, wie heterogene Flächenanteile in die Berechnung einfließen sollen – etwa, ob dieselbe Formel für Gebiete mit 5 % oder 50 % Schutzgebietsanteil angewendet werden kann. Damit reduziert sich der Indikator häufig auf einen Richtwert ohne ausreichenden Kontext, da wesentliche Einflussfaktoren wie Saison, Wetter oder Tageszeit fehlen.

Für die Weiterentwicklung erscheint es daher notwendig, den Indikator künftig ins Verhältnis zum Anteil der Schutzgebiete an der jeweiligen Destinationsfläche zu setzen.

Erhebung

Parameter:

Besuchspotenzial in Schutzgebieten
Einheit: Kategorien (werden im Forschungsprojekt „Identifikation & Quantifizierung von Auswirkungen des Tourismus auf die biologische Vielfalt“ noch erarbeitet)


Datenquelle:

- Mobile Bewegungsdaten

- GIS-Shapefiles

Bei diesen Daten ist mit mittleren bis hohen Kosten zu rechnen und der Datenbezug selbst ist schwierig, da die Daten noch nicht flächendeckend vorhanden sind.
 


Erhebnungsfrequenz:

Alle 2-3 Jahre


Schritte zur Erhebung:

Aktuell wird dieser Indikator für die Verwendung der Nationalen Biodiversitätsstrategie im Rahmen des Projektes „Identifikation & Quantifizierung von Auswirkungen des Tourismus auf die biologische Vielfalt“ (Laufzeit 09/2023-08/2026) erprobt. Daher sind noch keine Erhebungsschritte festgelegt.
 

 

Auswertung

Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge: 

Für die Messung der Entwicklung bietet sich eine Erhebung im Abstand von zwei bis drei Jahren an, um aussagekräftige Zeitreihen zu erstellen. Im Hinblick auf den Schutz der Biodiversität ist grundsätzlich eine nicht stark ansteigende Besuchsintensität anzustreben. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass Tourismus auch positive Effekte haben kann – etwa durch die Förderung von Umweltbildung oder die Finanzierung von Schutzmaßnahmen.

Die konkreten Zielbezüge sollten daher für jedes Schutzgebiet individuell festgelegt werden und den jeweiligen Ausgangszustand, lokale Besonderheiten und insbesondere eingesetzte Managementpraktiken zur Besucherlenkung berücksichtigen. Mit dem Indikator lassen sich Schutzgebiete untereinander vergleichen; für ganze Destinationen ist er jedoch nicht geeignet, sondern ausschließlich auf deren Schutzgebiete anwendbar.


Interpretationshilfe: 

Die Interpretation, ab wann von „zu vielen Besuchern“ gesprochen werden kann, ist stark vom jeweiligen Schutzgebiet abhängig. Maßgeblich ist die Tragfähigkeit der Biodiversität und die eingesetzten Managementpraktiken des Schutzgebiets: Diese sollten für jedes Gebiet gesondert ermittelt werden.

Auch die Maßnahmen selbst können ggf. nicht universell gewichtet werden, sondern stellen lediglich Richtwerte dar. Diese Gewichtung müsste mit hoher Wahrscheinlichkeit individuell für die Schutzgebiete geschehen.

 

Projektpartner