Tourismusindizierte Gesamt-Treibhausgasemissionen

Tourimusindizierte Gesamt-Treibhausgasemissionen

Bereich: Klimaschutz im Tourismus

Informationen

Allgemeine Informationen

Relevanz/Aussagekraft:

Die tourismusinduzierten Gesamt-Treibhausgasemissionen bilden die gesamte Klimawirkung touristischer Aktivitäten bzw. der Tourismuswirtschaft ab – von Mobilität über Beherbergung bis hin zu Gastronomie und Freizeitwirtschaft. Der Indikator ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung der durch Tourismus verursachten Emissionen innerhalb einer Destination. Er kann als Alternative für den Fokusindikator An- und Abreisebedingte Treibhausgasemissionen  genutzt werden.

Er dient als Bewertungsgrundlage für tourismusspezifische Klimastrategien.
Die Problemrelevanz ist hoch: Der Indikator deckt zentrale Emissionsverursacher auf und liefert die Basis für langfristige Reduktionsstrategien auf Destinationsebene.


Definitionen/Begriffsklärungen:

TSA (Tourism Satellite Account): Das Tourismus-Satellitenkonto ist eine Erweiterung der allgemeinen Systematik der Wirtschaftsstatistik. Da Tourismus eine Querschnittsbranche ist, müssen verschiedene Wirtschaftszweige berücksichtigt werden. Auf Basis der Ausgaben der Touristen werden die Effekte auf Wirtschaftsleistung und Beschäftigung in der jeweiligen Destination abgeleitet. Das TSA ist konsistent zur amtlichen Wirtschaftsstatistik und den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, sodass Vergleiche mit anderen Wirtschaftszweigen möglich sind.

TSA-EE (Tourism Satellite Account for Economy and Environment): Das TSA-EE ist methodisch in die Volkswirtschaftlichen und Umweltökonomischen Gesamtrechnungen eingebettet. Dies ermöglicht sowohl eine gemeinsame Quantifizierung der wirtschaftlichen, umweltökonomischen und arbeitsmarktrelevanten Bedeutung des Tourismus als auch einen direkten Vergleich 
mit Daten auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Das TSA-EE quantifiziert neben der ökonomischen Perspektive den Energieverbrauch, den Rohstoffeinsatz, die Emissionen von Treibhausgasen und Luftschadstoffen und die Ausgaben für Umweltschutzleistungen des Tourismussektors.


Empfohlene Ebene:

Es wird sowohl die regionale, lokale als auch die Landesebene empfohlen.


Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:

Für diesen Indikator gibt es kein amtlich-statistisches Verfahren, die empfohlenen Methoden sind jedoch bereits mehrfach wissenschaftlich erprobt worden. Zusätzlich ist eine Berechnung mit teils hohen Kosten verbunden. Die Datenqualität ist als mittel einzustufen, da viele Annahmen getroffen werden müssen und und oftmals keinePrimärdaten in Destinationen zur Verfügung stehen.

Als Weiterentwicklung können Primärdaten durch Betriebsbefragungen in Destinationen oder destinationsweite Projekte ergänzt werden. Ein Pilotprojekt des PIK zur Konzeption eines THG-Inventars der deutschen Tourismuswirtschaft liefert hierzu erste wichtige Ansätze. 

Erhebung

Parameter:

THG-Emissionen der Tourismuswirtschaft bzw. touristischer Aktivitäten einer Destination
Einheit: t CO2e


Datenquelle:

- Landesebene: Verwendung von TSA-Daten und Verknüpfung mit Input-/Output-Tabellen des nationalen THG-Inventars (Methodik für MV und Berlin erprobt)

- Destinationsebene: Nutzung der erprobten Bottom-up Klimabilanzierung für Tourismusdestinationen


Erhebnungsfrequenz:

Alle 5 Jahre


Schritte zur Erhebung:

Landesebene:
1. Beauftragung eines externen Anbieters
2. Empfehlung: Erprobung der Berechnung über ein TSA-EE

Destinationsebene:
1. Beauftragung eines externen Anbieters oder Eigenerhebung
2. Bei einer Eigenerhebung wird ein Vorab-Check der erforderlichen Daten empfohlen: Daten zur touristischen Nachfragestruktur, Verkehrsmittelverteilung, Herkunftsverteilung, Aufenthaltsdauer, Gästeübernachtungen je Beherbergungskategorie, Daten zum grauen Beherbergungsmarkt, Häufigkeit der gastronomischen Verpflegung, Art der Verpflegung, Hauptaktivitäten von Tourist*innen, destinationsbezogene Emissionsfaktoren
3. Berechnung mithilfe des Verfahrens
 

 


     
 

 

Auswertung

Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge: 

Grundsätzlich sind bei diesem Indikator im Zeitverlauf sinkende Werte gewünscht. Als normative Zielbezüge können die bundesweiten Reduktionsziele (Netto-Treibhausgasneutralität in 2045) herangezogen werden sowie um die Erstellung von Science-Based Targets ergänzt werden.

Auf Landesebene kann auch ein Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen erfolgen. Ein Vergleich zwischen Destinationen ist weniger zu empfehlen, da die Emissionsbelastung sehr individuell ist und von vielen Faktoren wie Quellmarkt, Anbindung an den ÖPNV und Fernverkehr, dem Destinationstyp, der Unterkunftsstruktur, etc. abhängig ist.


Interpretationshilfe: 

Das Ergebnis muss immer hinsichtlich der individuellen Gegebenheiten der Destination interpretiert werden. Die klassische Verteilung der Emissionen in einer Destination sieht in etwa so aus:
Ca. 50 % Mobilität
Ca. 20 % Unterkunft
Ca. 20 % Verpflegung
Ca. 10 % Aktivitäten

Abweichungen können unter anderem durch eine besonders emissionsintensive Anreise (z.B. kein ÖPNV, Insel) oder besonders energieintensive Aktivitäten (z.B. Thermen) entstehen.
Für eine bessere Vergleichbarkeit können die Emissionen pro Übernachtung berechnet werden.
 

 

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