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F9 An- und Abreise bedingte Treibhausgasemissionen

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geralt/pixabay

Kennzahlenset

Dimension: Ökologie

(F9) An- und Abreise bedingte Treibhausgasemissionen

An- und Abreise bedingte Treibhausgasemissionen

Steckbrief

Fokuskennzahlen
Allgemeine Informationen

Relevanz/Aussagekraft:

Der Indikator beschreibt die durch die An- und Abreise freigesetzten Treibhausgasemissionen, die in die Erdatmosphäre abgegeben werden und so zur Erderwärmung beitragen.

Der Indikator misst die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen in- und ausländischer Übernachtungsgäste, die durch die Wahl des Verkehrsmittels für die An- und Abreise verursacht werden. Er macht die Klimawirkung touristischer Mobilität sichtbar und schafft eine strategische Grundlage für die Entwicklung klimaschonender Mobilitätspraktiken.

Die Problemrelevanz ist hoch: Regionale Einflussmöglichkeiten sind begrenzt, die Steuerung dennoch erforderlich. Der Indikator unterstützt die Integration von Klimazielen in das touristische Management und fördert eine evidenzbasierte Ausrichtung auf emissionsärmere Anreiseformen.


Definitionen/Begriffsklärungen:

/


Empfohlene Ebene:

Es wird sowohl die lokale, regionale als auch die Landesebene empfohlen.


Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:

Zur Erhebung dieses Indikators ist eine Gästebefragung als Eigenerhebung oder Fremderhebung nötig. Diese wird für die Ermittlung der Verkehrsmittelverteilung benötigt. Für die methodische Einheitlichkeit sollten die unten genannten Items verwendet werden.

 

Erhebung

Parameter:

An- und Abreise bedingte Treibhausgasemissionen pro Übernachtungsgast.
Einheit: kg CO2e


Datenquelle:

Ankünfte nach Herkunftsland: Amtliche Statistik auf Gemeindeebene
Verteilung Ankünfte nach Bundesländern und Verkehrsmittelverteilung Inland
Gästebefragung
Verkehrsmittelverteilung Ausland: Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.
Bevölkerungsdaten der deutschen Gemeinden: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
Bevölkerungszentroide Weltweit: WorldPop
Emissionswerte nach Verkehrsträger: TREMOD (UBA)


Erhebnungsfrequenz:

Alle 3 Jahre 


Schritte zur Erhebung:

1. Durchführung einer Gästebefragung mit folgenden Fragen und Items:

“Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie hauptsächlich angereist?”
- PKW Verbrenner / Hybrid
- PKW Plugin-Hybrid
- PKW Elektro
- zusätzlich zu PKW: mit Wohnwagen
- Wohnmobil
- Motorrad
- Bahn Fernverkehr
- Bahn Regionalverkehr
- Reisebus
- Flugzeug
- Schiff, Fähre
- Sonstiges
"Wo haben Sie Ihren Wohnsitz?"
- Bundesland angeben (inländische Gäste)
- Land angeben (ausländische Gäste)

2. Berechnung der Verkehrsmittelverteilung nach Bundesland & Land
Nutzung der Daten der Befragung

3. Ermittlung der durchschnittlichen Distanzen nach Art der Fortbewegung und prozentualer Verteilung pro Bundesland

4. Berechnung der Bevölkerungszentroide der Bundesländer: Ermittlung der geografischen Mittelpunkte aller Gemeinden in Deutschland, ohne Wasserflächen an den Küsten. Anschließend erzeugen des Bevölkerungszentroiden je Bundesland durch die Gewichtung der geografischen Mittelpunkte der Gemein-den in den Bundesländern nach Bevölkerung.

5. Bevölkerungszentroide der internationalen Quellmärkte: Für Länder der amtlichen Statistik direkte Übernahme der Werte aus WorldPop. Bei Gruppierungen manuelle Zuordnung der Länder zu Gruppen (z.B. sonstige Afrikanische Staaten).

6. Berechnung der Ankunftszentroide: Analyse der Quellmarktregionen und nicht zugeordneter Gemeinden basierend auf allen Ankünften der Gemeinden. Gewichtung der geografischen Mittelpunkte der Gemeinden in den Quellmarkt-regionen nach Ankünften zu Errechnung des Ankunftszentroiden.

Berechnung der Distanzen (Luftlinie) der Bevölkerungszentroiden und An-kunftszentroiden: Straße: Google Maps (kürzeste Route, Bhf zu Bhf), Schiene: Falk (kürzeste Route, Bhf zu Bhf), Luftlinie: Luftlinie (Flughafen zu Flughafen).

7. Berechnung des Gesamttransportvolumens (TV) pro Verkehrsmittel:

TV = DVM,BL x AVM x 2,15

VM: Verkehrsmittel

DVM,BL: durchschnittliche Distanz pro Art der Fortbewegung und Bundesland

AVM: Anzahl der Gästeankünfte pro Verkehrsmittel

2,15: Faktor für Hin- und Rückweg zzgl. Umwegfaktor von 15%
International: Die Daten der DZT geben nur drei Verkehrsmittel aus: PKW (Alle Antriebe), Flugzeug, Eisenbahnfernverkehr. Daten, die nicht zugeordnet werden können, werden anteilig auf die drei bekannten Verkehrsmittel verteilt.

8. Ermittlung der Treibhausgasemissionen pro Verkehrsmittel
THG = TVVM x EF

9. Ermittlung der Gesamt-Treibhausgasemissionen
= Summe der Emissionen aller Verkehrsmittel

10. Berechnung des Parameters pro Übernachtung 
THG Übernachtung = Gesamtemissionen/Gesamtübernachtungen

 

Auswertung

Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge: 

Die gewünschte Entwicklungsrichtung sind sinkende Werte, da die Emissionen der An- und Abreise stetig verringert werden sollen. Die Entwicklung kann anhand von Zeitreihen in der eigenen Destination gemessen werden. Benchmarks sind nur bei Destinationen mit sehr ähnlicher Gäste- und Infrastruktur sinnvoll. Auch eine Orientierung an bundes- oder landesweiten Zielbezügen der Treibhausgasreduktion sind möglich. Deutschland soll bis 2045 die Netto-Treibhausgasneutralität erreichen.


Interpretationshilfe: 

Dieser Indikator ist stark von der in der Destination vorhandenen Verkehrsinfrastruktur abhängig. Bei schlechter Anbindung mit dem öffentlichen Personenverkehr sind die Werte automatisch höher, da viele Gäste z.B. mit dem Auto anreisen müssen. Die Verkehrsinfrastruktur muss zur Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden.

Auch die Quellmärkte der Destination beeinflussen das Ergebnis stark. Wenn die Destination vor allem von Gästen aus dem Umkreis oder aus Deutschland besucht wird, sind die Distanzen deutlich kürzer als bei Gästen aus dem entfernteren Ausland bzw. Gästen von anderen Kontinenten. Je weiter die Distanz, desto eher wird zur Anreise das Flugzeug genutzt. Weiter entfernte Quellmärkte und die Nähe zu größeren Flughäfen erhöhen dementsprechend tendenziell die An- und Abreise bedingten Treibhausgasemissionen.

Zum Vergleich: Das klimaverträgliche Tagesbudget eines Menschen beträgt 4,1 kg CO2e pro Tag, wenn die globale Klimaerwärmung auf 1,5° C begrenzt wer-den soll.

 

 

 

Projektpartner