Finanzierung des Tourismus

Finanzierung des Tourismus

Bereich: Strategisches Nachhaltigkeitsmangement

Informationen

Allgemeine Informationen

Relevanz/Aussagekraft:

Ausreichende finanzielle Mittel sind eine zentrale Voraussetzung für die Steuerungs- und Handlungsfähigkeit von Tourismusorganisationen. Der Indikator zeigt, in welchem Verhältnis das verfügbare Budget zur Gästeanzahl steht, und liefert damit wichtige Hinweise auf die Ausstattung der Destination zur Umsetzung strategischer, nachhaltiger und qualitätsorientierter Maßnahmen. Eine gesicherte Tourismusfinanzierung ist essentiell für Infrastrukturentwicklung, Gästeservice, Nachhaltigkeitsinitiativen und Krisenresilienz.
Aufgrund der direkten Auswirkung auf Managementprozesse, Angebotsqualität und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit ist die Problemrelevanz hoch. Der Indikator kann außerdem dabei helfen, strukturelle Unterfinanzierung sichtbar zu machen und bedarfsgerechte Mittelverteilung anzustoßen.


Definitionen/Begriffserklärungen:

/


Empfohlene Ebene:

Es wird sowohl die lokale, regionale als auch die Landesebene empfohlen.


Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:

Der Indikator ist derzeit noch nicht ohne methodische Hürden erhebbar. Die Finanzierung ist generell abhängig vom Mandat der jeweiligen Destinationsmanagementorganisation (Marketing und/oder Management). Dies führt neben z.B. Drittmitteln, Tagesgästen  und regionalen Unterschieden zu einer schwierigen Vergleichbarkeit. Insbesondere die Unterscheidung zwischen Marketing und Management gilt es weiter zu erproben (z.B. in einem Forschungsprojekt).

Des Weiteren können Tagesgäste nur bedingt berücksichtigt werden, da die Zahlen der Ankünfte von Tagesgästen nicht im Detail vorhanden sind, sondern durch Schätzwerte oder einer externen Studie zu ermitteln wären.

Um die Erhebung zu vereinfachen, sollte ein klarer Definitionen- und& Methodenleitfaden entwickelt werden. Dieser Leitfaden sollte bspw. in einem Forschungsprojekt erarbeitet werden und u.a. Budgetpositionen, Abgrenzung von Drittmitteln, freiwilligen Leistungen etc. umfassen. 
a) Input: Budgethöhe, Finanzierungsmix
b) Throughput: Mittelverwendung nach Aufgabenfeldern
c) Output: Gästezahlen, Qualitätsratings, Nachhaltigkeitsinitiativen

Eine Erhebung der Organisationen auf DMO-Ebene könnte außerdem ggf. mit einer Netzwerkbefragung gekoppelt werden. Dafür ist aber eine klare Definition von Aufgabengebieten und Budgetzuordnungen zu erarbeiten.

 

 

Erhebung

Parameter:

Jährliches DMO-Budget pro touristischer Ankunft
Einheit: Euro


Datenquelle:

- Daten der Tourismusorganisation (Budget)
- Amtliche Statistik (Anzahl der Gästeankünfte)


Erhebungsfrequenz:

Jährlich


Schritte zur Erhebung:

1. Anzahl der Gästeankünfte in der Destination durch die amtliche Statistik ermitteln (wenn möglich auch Tagesgäste modelliert)
2. Jahresbudget der DMO erfassen: Gesamtsumme in Euro des letzten abgeschlossenen Haushaltsjahres
3. Aufschlüsselung dieses Budgets nach:
- Öffentliche Mittel (kommunal, Land, Bund)
- Drittmittel (z. B. EU, Sponsoren, Förderprogramme)
- Eigeneinnahmen (z. B. aus Gästebeiträgen, Marketingkooperationen)
4. Differenzierung des Budgets nach Aufgabenfeldern, mögliche Rubriken könnten sein:
- Marketing
- Infrastruktur
- Nachhaltigkeit
- Personalkosten
- Strategieprozesse
- Digitalisierung
5. Berechnung des Budgets pro Gast: Dazu werden die einzelnen Budgets (Gesamtbudgets und Unter-Rubriken) durch die Anzahl der Ankünfte geteilt.
6. Zur Einordnung und Erfassung des Kontextes sind folgende Kontextdaten denkbar (siehe Limitationen):
- Einwohnerzahl der Destination (für Intensitätsfaktor)
- Zahl der Mitarbeitenden in der DMO
- Touristische Infrastrukturkennzahlen
- Art der Destination (z. B. Gebirgsregion, Küste, Stadt, Kurort)
- Mandat: Marketing / Management / Mischform
- Projektmittelanteil: Ja / Nein / Anteil am Gesamtbudget
- Trägerschaftsform: Kommune / Verband / GmbH etc.
- Tagesgäste relevant? Ja / Nein / Modellierung vorhanden
- Saisonalität: Hoch / Mittel / Gering
- Finanzierungstyp: Umlage / Beitrag / Steuer / Mischform

 

Auswertung

Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge:

Für diesen Indikator gibt es noch keine universellen Zielbezüge. Die Vergleichbarkeit ist als schwierig einzuschätzen. Durch die ggf. erhobenen Kontextdaten könnten allerdings ähnliche Destinationen miteinander verglichen werden.

Entwicklung kann grundsätzlich in Zeitreihen gemessen werden.


Interpretationshilfe:

Für die Interpretation bzw. Bewertung sollte immer das Budget der erhebenden Institution berücksichtigt werden. Die Vergleichbarkeit ist eingeschränkt, aber eine Differenzierung nach Mandat und Mitteln scheint sinnvoll. Dabei sollten Bereiche der Institution, die nichts mit dem Tourismus zu tun haben, abgegrenzt werden.

Unter-Rubriken und Kontextdaten ermöglichen allerdings eine strategische Bewertung der Mittelverwendung. Dabei sind folgende Informationen zu berücksichtigen:
1. Mandat der DMO: Marketing vs. Management
- Marketing-Mandat (klassisch): Fokus auf Kommunikation, Branding, Kampagnen; geringerer Personal- und Projektbedarf; niedrigeres Budget ausreichend.
- Management-Mandat (modern): Aufgaben wie Nachhaltigkeit, Qualitätssicherung, Infrastrukturentwicklung, Digitalisierung, Stakeholdermanagement; höherer Ressourcenbedarf.
- Interpretationsbeispiel: Zwei DMOs mit gleichem Gästevolumen, aber unterschiedlichem Mandat → unterschiedliches Budget pro Gast ist gerechtfertigt.
2. Projektförderungen / Drittmittel
- Temporäre Mittel aus Landes-, Bundes- oder EU-Förderungen (z. B. EFRE, REACT-EU) können das Budget kurzfristig erhöhen.
- Empfehlung: Trennung von Regelbudget und Projektmitteln, um die Steuerungsfähigkeit realistisch abzubilden.
3. Trägerschaft und Governance-Strukturen
- Verschiedene Trägerformen (Kommune, Verband, GmbH, Zweckverband) haben unterschiedliche Finanzierungspflichten und Budgetflexibilität.
- Politische Entscheidungen können Budgethöhe und Mittelstabilität beeinflussen.
4. Geographische und strukturelle Besonderheiten
- Topographie (Alpenregion, Insel, ländliche Weite), Saisonalität, Verkehrsanbindung beeinflussen den Ressourcenbedarf.
5. Einwohnerzahl / Gemeindegröße
- Kleinere Gemeinden kombinieren oft Tourismus- und Gemeindefunktionen; manche Budgets decken auch Standortmarketing oder Bürgerkommunikation ab.
6. Einbeziehung oder Ausschluss von Tagesgästen
- Regionen mit vielen Tagesgästen stehen bei Berechnung nur auf Basis von Übernachtungen unterfinanziert da.
- Lösung: Tagesgäste schätzen oder modellieren, um realistischere Budgetrelationen zu erhalten.
7. Art der Finanzierung
- Eigene Einnahmen (Gästebeitrag, Bettensteuer) erhöhen Unabhängigkeit.
- Regionen ohne eigene Einnahmen sind oft auf öffentliche Zuschüsse angewiesen → langfristige Budgetstabilität geringer.

 

Projektpartner