DMO-Kooperations-Index
Bereich: Governance und Kooperation
Informationen
Allgemeine Informationen
Relevanz/Aussagekraft:
Der DMO-Kooperations-Index beschreibt die Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft der DMO im Bereich nachhaltiger Tourismusentwicklung. Kooperation ist ein zentraler Erfolgsfaktor, da viele Nachhaltigkeitsthemen wie Ressourcenschutz, Mobilität, regionale Wertschöpfung oder soziale Teilhabe nur im Zusammenspiel verschiedener Akteure wirkungsvoll umgesetzt werden können.
Der Indikator misst, in welchem Umfang und mit welcher Qualität die DMO mit Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und öffentlicher Hand zu Nachhaltigkeitsthemen zusammenarbeitet. Eine hohe Kooperationsdichte stärkt gemeinsame Zielverfolgung, effiziente Ressourcennutzung und Innovationsfähigkeit. Der DMO-Kooperations-Index zeigt damit nicht nur bestehende Strukturen, sondern auch die Bereitschaft und Fähigkeit zur kollaborativen Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien.
Die Problemrelevanz ist als mittel einzuschätzen, da Kooperationen von externen Faktoren wie Akteurslandschaft, Ressourcen oder politischen Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Dennoch liefert der Indikator wichtige Hinweise auf die strategische Verankerung und Qualität von Partnerschaften im Kontext einer nachhaltigen Destinationsentwicklung.
Definitionen/Begriffsklärungen:
Gemeinsames Zielverständnis und Verbindlichkeit
Ein gemeinsames Zielverständnis liegt vor, wenn DMO und externe Akteure denselben Zweck der Zusammenarbeit teilen und dieser explizit kommuniziert und anerkannt ist. Verbindlichkeit setzt voraus, dass Absprachen nicht nur informell bestehen, sondern formalisiert, terminiert oder mit Rollen und Verantwortlichkeiten hinterlegt sind (z. B. Vereinbarungen, Beschlüsse, LOIs). Bloße Zustimmung ohne Umsetzungsschritte gilt nicht als verbindliche Kooperation.
Rolle der DMO als koordinierende Stelle
Die DMO übernimmt eine aktive Rolle in der Steuerung, Moderation und Strukturierung kooperativer Prozesse. Dazu zählen das Zusammenführen relevanter Akteure, die Gestaltung funktionierender Entscheidungsstrukturen sowie das Nachhalten von Ergebnissen. Koordination bedeutet organisatorische und prozessuale Verantwortung – nicht lediglich Informationsweitergabe.
Vielfalt und Relevanz eingebundener Akteure
Relevante Akteure sind jene, die durch Verantwortung, Einfluss oder Betroffenheit signifikant zur Tourismusentwicklung beitragen (z. B. Wirtschaft, Verwaltung, Kultur, Natur, Zivilgesellschaft, Wissenschaft). Vielfalt liegt nur dann vor, wenn nicht ausschließlich etablierte Partner einbezogen werden, sondern auch neue, kritische oder bislang unverbundene Akteure; entscheidend ist die Repräsentanz der relevanten Interessenlandschaft.
Wirkung bzw. Nutzen der Kooperation
Wirkung bedeutet, dass die Zusammenarbeit zu nachvollziehbaren, der Kooperation zurechenbaren Ergebnissen führt, etwa in Form neuer Angebote, Strategien, gemeinsamer Projekte oder verbesserter Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse. Die reine Durchführung von Sitzungen oder Meetings stellt keine Wirkung dar; entscheidend ist der beobachtbare Mehrwert im Handlungsfeld des Stakeholders.
Kooperationskultur zwischen relevanten Partnern (ohne DMO-Bezug)
Kooperationskultur beschreibt die Qualität des Miteinanders innerhalb der Destination unabhängig von der DMO. Sie zeigt sich in Vertrauen, Verlässlichkeit, Offenheit, Konfliktfähigkeit und Engagement zwischen Akteuren. Eine starke Kooperationskultur wirkt stabilisierend und trägt Kooperation auch ohne zentrale Steuerung; eine schwache Kultur begünstigt Fragmentierung, Parallelstrukturen und strategische Ineffizienz.
Empfohlene Ebene:
Es wird sowohl die lokale, regionale als auch die Landesebene empfohlen.
Limitationen/Weiterentwicklungsbedarf:
Der Kooperationsindex basiert auf der Bewertung durch externe Stakeholder der Destination. Dadurch gewinnt er gegenüber einer internen Selbsteinschätzung an inhaltlicher Validität, bleibt jedoch abhängig von Rücklauf, Zusammensetzung der Befragten und deren Nähe zur DMO. Ohne Mindestanforderungen an Rücklaufquote und Stakeholderbreite besteht das Risiko selektiver Ergebnisse.
Die Vergleichbarkeit zwischen Destinationen ist nur eingeschränkt möglich, da Kooperationslandschaften, Governance-Strukturen und Aufgabenprofile der DMOs stark variieren. Der Indikator eignet sich daher primär für zeitliche Entwicklungen innerhalb einer Destination; horizontale Benchmarks sollten vorsichtig interpretiert werden.
Zur Sicherstellung einer einheitlichen Anwendung werden Definitionen zentraler Begriffe im Steckbrief mitgeliefert (z. B. Kooperation, Relevanz der Akteure, Koordinationsgrad, Wirkung). Darüber existiert bislang keine etablierte methodische Herangehensweise der Erhebung. Eine erste Orientierung zur möglichen Erhebung bietet der bestehende TourCert-Kooperationsindex im Rahmen der Zertifizierung „Nachhaltiges Reiseziel“.
Für die Erhebung wirdist ein standardisierter Online-Fragebogen empfohlen
erforderlich. Vor der breiten Anwendung dieses Indikators sollte dessen Pilotierung in ausgewählten Destinationen erfolgen, um Datenqualität und Praxistauglichkeit zu überprüfen, beispielsweise im Rahmen einer studentischen Abschlussarbeit.
Eine mögliche Weiterentwicklung des Indikators besteht in der Prüfung einer quantifizierten Stakeholder-Analyse als alternative oder ergänzende Methode. Dabei würde nicht die erlebte Kooperation bewertet, sondern die Kooperationslandschaft strukturiert erfasst und bewertet (u. a. Relevanz der Akteure, bestehende Kooperationsintensität, gewünschter Kooperationsbedarf, identifizierbare Gaps). Ein solcher Ansatz könnte strategische Steuerungsimpulse liefern und Kooperationsbedarfe sichtbar machen, erfordert jedoch eine konzeptionelle Ausarbeitung und methodische Erprobung in einem gesonderten Arbeitsschritt.
Kosten sind abhängig vom Umfang und der individuellen Umsetzung (intern oder durch externe Begleitung). Sie belaufen sich erfahrungsgemäß in einem niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich.
Auswertung
Gewünschte Entwicklungsrichtung & Zielbezüge:
Ziel ist eine kontinuierliche Stärkung der Kooperationen zwischen DMO und externen Stakeholdern. Dadurch sollen die Qualität des Austauschs, die Verlässlichkeit in gemeinsamen Prozessen sowie die Umsetzungs- und Wirkungsfähigkeit von Kooperationen langfristig verbessert werden.
Die gewünschte Entwicklungsrichtung besteht in einem stabilen oder steigenden Indexwert über den Zeitverlauf. Ein Rückgang des Wertes wäre ein Indikator für wachsende Spannungen, fehlende Einbindung oder sinkende Wirksamkeit der Zusammenarbeit.
Interpretationshilfe:
Ein hoher Kooperationsindex weist darauf hin, dass externe Stakeholder die Zusammenarbeit mit der DMO überwiegend als konstruktiv, verlässlich und wirkungsorientiert erleben. Dies spricht für funktionierende Abstimmungsprozesse, geteilte Zielbilder und eine handlungsfähige Kooperationsstruktur in der Destination.
Ein niedriger Wert signalisiert dagegen geringe Einbindung, schwache Abstimmung oder fehlende gemeinsame Umsetzungskraft. Dies kann auf isoliertes Arbeiten, Rollenkonflikte oder mangelnde strategische Koordination hinweisen.
Die Ergebnisse sollten vor allem im Zeitverlauf derselben Destination interpretiert werden, da strukturelle Unterschiede die Vergleichbarkeit zwischen Regionen einschränken. Ergänzend zur Kennzahl ist die Rücklaufstruktur (wer hat geantwortet und wer nicht) stets mitzudenken, da sie die Bewertung beeinflussen kann.