Der Weg der DMO: Zentrale Methoden für eine nachhaltige Entwicklung im Tourismus

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Zentrale Methoden für eine nachhaltige Entwicklung im Tourismus

Der Weg der DMO

Stakeholder-Analyse

WAS?

Eine Stakeholder-Analyse hilft dabei, im ersten Schritt relevante Anspruchsgruppen Ihrer Destination systematisch zu erfassen, zu priorisieren und angemessen einzubinden. Denn neben touristischen Betrieben und Kommunen beeinflussen auch Akteur*innen aus Schutzgebietsverwaltungen, der Regionalentwicklung, der Landwirtschaft und Mobilität, aus Vereinen und der Bevölkerung sowie Medien den Erfolg von Maßnahmen und deren langfristige Akzeptanz.

Warum?

Für eine konstruktive Beteiligung an Planungs- und Umsetzungsprozessen in Richtung Nachhaltigkeit ist es entscheidend, verschiedene Sichtweisen und Erfahrungen frühzeitig einzubeziehen. So werden Zielkonflikte früher sichtbar, Lösungen praxistauglicher und Entscheidungen nachvollziehbarer. Stakeholder-Dialoge schaffen Transparenz und Vertrauen, bündeln Wissen und Erfahrung aus der Region und ermöglichen konsensorientiertes Handeln unter einer ganzheitlichen Perspektive. Je stärker sich die unterschiedlichen Akteur*innen mit gemeinsamen Zielen und Maßnahmen identifizieren, desto überzeugter und überzeugender werden sie diese voranbringen.

Wie?

Relevante Stakeholder identifizieren: Wer sind für die DMO und die Destination wichtige Akteur*innen? Inwiefern beeinflussen sie die nachhaltige Entwicklung? Visualisieren Sie alle relevanten Anspruchsgruppen der touristischen Dienstleistungskette und aus angrenzenden Entwicklungsfeldern, zum Beispiel Natur, Mobilität, Kultur oder Wohnen.

Stakeholder-Gruppen priorisieren: Gibt es Akteur*innen mit ähnlichen Aufgaben, Zielen und Interessen? Welche Akteur*innen sind für bestimmte Prozesse besonders relevant? Ordnen Sie die Stakeholder in einer Stakeholder-Matrix nach Einfluss und Bedeutung ein.

Stakeholder gezielt einbinden: Welche Akteur*innen sollten in bestimmte Prozesse einbezogen werden? Leiten Sie aus der Matrix ab, wie stark Sie die Stakeholder einbinden möchten und welches Ziel Sie dabei verfolgen, zum Beispiel Wissen einzuholen, Akzeptanz zu stärken oder Kooperation aufzubauen.

Dialogformate auswählen: In welcher Art und Weise sollte der Austausch mit Akteur*innen erfolgen? Wählen Sie passende Formate für die verschiedenen Stakeholder und Rahmenbedingungen aus, zum Beispiel Information, Workshop oder bilaterale Gespräche.
 

Der Begriff „Stakeholder“ leitet sich aus dem Englischen „stake“ (Einsatz oder Anspruch) und „holder“ (Inhaber*in) ab: Gemeint sind alle, die ein Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses haben. Im Tourismus zählen dazu unter anderem Gäste, touristische Leistungsträger*innen, die Bevölkerung vor Ort und Kommunen, aber auch Akteur*innen aus nicht touristischen Branchen oder der Regionalentwicklung. Der Stakeholder-Ansatz betrachtet eine Organisation in ihrem gesamten sozial-ökonomischen Umfeld und hilft dabei, unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse in Einklang zu bringen. So lassen sich Perspektiven transparent machen und tragfähige Lösungen entwickeln.

Starten Sie mit einer überschaubaren Liste von etwa 10 bis 15 Anspruchsgruppen und erweitern Sie diese bei Bedarf. Aktualisieren Sie Ihre Stakeholder-Map und -Matrix möglichst jährlich oder bei größeren Projekten. Halten Sie außerdem fest, wer wann und in welcher Form beteiligt wurde.

Wesentlichkeitsanalyse

WAS?

Mit einer Wesentlichkeitsanalyse ermitteln Sie, welche Nachhaltigkeitsthemen für Ihre Destination bzw. DMO und deren langfristigen Erfolg wirklich entscheidend sind, sowohl aus Sicht der Organisation als auch aus Sicht wichtiger Anspruchsgruppen. So lassen sich Themen herausfiltern, die den größten Einfluss auf eine nachhaltige Entwicklung, die Akzeptanz vor Ort und die Handlungsfähigkeit der DMO haben.

Warum?

Die Wesentlichkeitsanalyse schafft Orientierung: Sie macht Prioritäten sichtbar, deckt Lücken im bisherigen Vorgehen auf und liefert eine belastbare Grundlage für Strategie, Maßnahmenplanung und Monitoring. Gleichzeitig erhöht sie die Transparenz nach außen, denn Sie können nachvollziehbar darstellen, warum bestimmte Themen im Fokus stehen – und andere (noch) nicht. So lässt sich nachhaltige Entwicklung gezielt an den eigenen Anforderungen ausrichten und steuern.

Wie?

Themen sammeln: Erfassen Sie relevante Themen für Destination und DMO, zum Beispiel aus Leitbild und Strategie, Gästerückmeldungen, Kennzahlen, Projekterfahrungen und den Handlungsfeldern sowie Kriterien dieses Leitfadens.

Anspruchsgruppen einbeziehen: Nutzen Sie die Ergebnisse der Stakeholder-Analyse und holen Sie Einschätzungen der wichtigsten Gruppen ein, etwa von Kommunen, Leistungsträger*innen, der Bevölkerung und Schutzgebieten. 

Bewerten: Ordnen Sie die Themen aus zwei Perspektiven ein: nach ihrer Bedeutung für Anspruchsgruppen und nach ihrer Bedeutung für die DMO, zum Beispiel mit Blick auf Risiken, Wirkung, Umsetzbarkeit oder rechtliche Anforderungen. 

Priorisieren und dokumentieren: Visualisieren Sie die Ergebnisse in einer Wesentlichkeitsmatrix und leiten Sie daraus Schwerpunktthemen ab.

Ableiten: Übersetzen Sie die Prioritäten in konkrete nächste Schritte – etwa in Ziele, Maßnahmen, Zuständigkeiten oder Indikatoren für das Monitoring.
 

Halten Sie die Analyse schlank und aktualisieren Sie sie regelmäßig, zum Beispiel alle zwei Jahre oder im Zuge größerer Strategieprozesse. Oft schafft schon eine 80-Prozent-Lösung deutlich mehr Klarheit als gar keine Priorisierung.

Strategisches Leitbild

WAS?

Ein strategisches Leitbild ist der gemeinsame Kompass für das tägliche Handeln. Entscheidend ist: Es muss lebendig sein – es sollte gemeinsam erarbeitet, im Alltag genutzt und regelmäßig überprüft werden.

Warum?

Ein Leitbild erfüllt im Kern drei Funktionen: Es schafft Orientierung, stärkt die Identifikation und gibt dem Handeln eine gemeinsame Richtung. Es bündelt Vision, Mission und Werte zu einem klaren Zukunftsbild und beantwortet, wofür die DMO steht und wohin sie sich entwickeln will. Zugleich wirkt es sinn- und identitätsstiftend, prägt die Unternehmenskultur und den Umgang miteinander sowie mit Anspruchsgruppen. So entsteht eine gemeinsame Basis, um Ziele, Leitsätze und Maßnahmen abzuleiten und im Arbeitsalltag zu verankern. Im besten Fall wird das Leitbild zum Maßstab für Entscheidungen: Passt das zu unserem Leitbild?

Wie?

Gemeinsames Brainstorming: Beginnen Sie im Team mit zentralen Leitfragen und sammeln Sie Ideen für eine nachhaltige Entwicklung. Beziehen Sie (je nach Thema) auch wichtige Partner*innen ein, zum Beispiel Kommunen, Leistungsträger*innen oder Schutzgebiete.

  • Ziele und Werte: Was wollen wir erreichen?
  • Für welche Werte stehen wir?
  • Identität, Auftrag und Leistungen: Wer sind wir? Was tun wir?
  • Zielgruppen: Für wen arbeiten wir? Welche Wünsche erfüllen wir? Wie positionieren wir uns?
    Kultur, Führung und Zusammenarbeit: Wie gehen wir miteinander um? Mit wem arbeiten wir zusammen?
  • Nachhaltigkeit und Verantwortung: Was verstehen wir unter Verantwortung? Woran wird das konkret sichtbar?

Vision entwickeln: Wo wollen wir in zehn Jahren stehen? Welche Idee trägt unsere Entwicklung? Gute Visionen sind kurz, klar und anschaulich. Sie machen Lust auf die Zukunft, geben Orientierung und sind gleichzeitig so konkret, dass sie nicht wie eine Marketingfloskel wahrgenommen werden, sondern Verbindlichkeit schaffen.

Mission formulieren: Wie erfüllt die DMO ihre Ziele? Welchen Auftrag erfüllt sie für Destination und Anspruchsgruppen? Die Mission übersetzt die Vision in den Zweck des täglichen Handelns. Sie gibt Team, Partner*innen und Öffentlichkeit Orientierung und beschreibt, was die Organisation leistet und wofür sie stehen will.

Werte festlegen: Werte zeigen sich im gesamten Handeln und prägen die Kultur der Region. Im besten Fall greifen sie Bestehendes auf und werden nicht nur von der DMO besetzt. Stellen Sie sich daher bei jedem Wert die Praxisfrage: Woran merken wir das? Welche Verhaltensweisen passen dazu – und welche nicht?

Leitsätze entwickeln: Damit Vision, Mission und Werte nicht abstrakt bleiben, braucht es Leitsätze als gemeinsame Handlungsprinzipien. Hilfreich ist dabei die 3-I-Methode:

  • Identitätspunkte: Um welches Handlungs- oder Tätigkeitsfeld geht es?
  • Impacts: Welche Wirkungen streben wir an?
  • Indikatoren: Wie machen wir diese Wirkungen bewertbar, und welche Handlungen zahlen darauf ein?
     

Ein strategisches Leitbild ist mehr als eine schöne Formulierung: Es bündelt die Erwartungen zentraler Anspruchsgruppen, stärkt die Legitimation der DMO nach innen und außen und macht Entscheidungen nachvollziehbar. So wird auch die Rolle der DMO als Impulsgeberin und Koordinatorin sichtbar.