Handhabung dieses Leitfadens

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Handhabung des Leitfadens

Der Leitfaden führt Sie als DMO Schritt für Schritt durch alle vier Dimensionen und elf Handlungsfelder der Nachhaltigkeit im Tourismus. Zu jedem Handlungsfeld finden Sie konkrete Umsetzungsbereiche in Form von Kriterien. Zunächst wird bei jedem Kriterium erläutert, worum es geht („Was heißt das konkret?“). Darauf folgen konkrete Schritte („Was ist zu tun?“). Indikatoren aus dem DTV-Kennzahlenset helfen dabei, den Stand zu prüfen und Fortschritte sichtbar zu machen. Ergänzend zeigt der Leitfaden, welche Rahmenbedingungen wichtig sind, mit wem Kooperationen sinnvoll sein können und welche Rolle das Destinationsmanagement dabei übernimmt. QR-Codes führen Sie zu weiterführenden Informationen und Materialien im Online-Bereich. Praxisbeispiele und Reflexionsfragen unterstützen Sie dabei, die Inhalte auf Ihre Destination zu übertragen. So können Sie Schritt für Schritt an Bestehendes anknüpfen – denn keine Destination startet bei Null.

Handlungsfelder für nachhaltige Tourismusdestinationen

Management | Ökonomie | Soziokultur | Ökologie

Wo anfangen? Der DMO-Struktur-Check

Jede Destination startet unter anderen Voraussetzungen. Genau deshalb ist der Leitfaden so aufgebaut, dass Sie schnell erkennen können, welche Kriterien für Ihre DMO besonders gut umsetzbar sind und wo zunächst Vorarbeiten nötig sind. Zu jedem Kriterium finden Sie Hinweise zu strukturellen Voraussetzungen. Je stärker ein Kriterium zum Beispiel Kooperationen mit vielen Leistungsträger*innen erfordert, desto höher ist sein Anteil im Bereich Netzwerk und Kooperation. So können Sie Prioritäten setzen, passende Kriterien auswählen und Ressourcen gezielt einsetzen.

Ab Ende August können Destinationsmanagement-Organisationen den DMO-Struktur-Check direkt online durchführen. Nach der Anmeldung beantworten Sie Fragen zu den sechs Segmenten des Checks und erhalten daraus ein individuelles Profil Ihrer DMO. So wird sichtbar, in welchen Bereichen bereits gute Voraussetzungen bestehen und wo Strukturen gezielt weiterentwickelt werden sollten. Die Ergebnisse helfen Ihnen dabei, die Kriterien des Leitfadens passend zur eigenen Ausgangslage einzuordnen, Prioritäten zu setzen und die nächsten Schritte für Ihre DMO abzuleiten.

Strategische Verankerung

 

Nachhaltigkeit soll verbindlicher Teil der Organisation und des Arbeitsalltags sein. Dieses Segment erfasst, wie das Arbeitsfeld Nachhaltigkeit organisatorisch eingebettet ist – etwa durch personelle Zuständigkeiten, Arbeitsgruppen, die Verankerung in Leitbild und Strategie sowie konkrete Ziele und Maßnahmen.

 

Handlungsfähigkeit

 

Damit eine DMO wirksam handeln kann, braucht sie Ressourcen. Dieses Segment erfasst Angaben zu Budget, Fördermitteln und der Sicherung von Fachwissen.

 

Politischer und institutioneller Rückhalt

 

Klare politische Bekenntnisse und passende Rahmenbedingungen geben der DMO Legitimation und Verbindlichkeit. Dieses Segment berücksichtigt die politische Unterstützung sowie die Zusammenarbeit mit Kommunen und Ländern.

 

Operative Einflussmöglichkeiten

 

Je mehr innerbetriebliche Prozesse und Steuerungsinstrumente eine DMO nutzen kann, desto größer ist ihr Hebel bei der Umsetzung von Maßnahmen. Hier werden eigene Liegenschaften, Spielräume bei Vergabeprozessen sowie vorhandene Steuerungs- und Kommunikationsinstrumente einbezogen.

 

Netzwerk und Kooperation

 

Nachhaltige Entwicklung gelingt nur, wenn touristische und nicht touristische Akteur*innen ihre Ziele abstimmen und gemeinsam umsetzen. In diesem Segment werden die Netzwerkbildung, gemeinsame Aktivitäten sowie die Zusammenarbeit mit Initiativen und Forschung berücksichtigt.

 

Messbarkeit von Nachhaltigkeit

 

Damit aus Leitbildern überprüfbare Ziele werden, muss Nachhaltigkeit gemessen werden. Dies ermöglicht die Bewertung der Ausgangssituation und unterstützt eine wirksame Steuerung. Dieses Segment beinhaltet Nachhaltigkeitszertifizierungen und die Nutzung von Kennzahlen.

 

Verantwortlichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung von Destinationen

Eine nachhaltige Ausrichtung von Tourismusdestinationen ist eine gemeinsame Aufgabe. Viele Stellschrauben liegen jedoch nicht allein in der Hand der DMO – etwa in den Bereichen Planung, Infrastruktur oder Mobilität. Gleichzeitig ist das Destinationsmanagement die zentrale Schnittstelle im Tourismus: Es bündelt Informationen, setzt Impulse, koordiniert Beteiligte und sorgt dafür, dass Ziele, Maßnahmen und Monitoring zusammenpassen. Entscheidend ist daher eine klare Rollenverteilung: Was kann das Destinationsmanagement selbst steuern – und wo braucht es Kooperationen?

Verantwortend

 

Hier liegen Verantwortung und Hebel bei der DMO selbst. Sie kann Maßnahmen direkt anstoßen und umsetzen, Ziele setzen, Ressourcen organisieren und Fortschritte überprüfen – etwa mithilfe von Qualitätskriterien, Indikatoren und regelmäßigem Monitoring.

 

Impulsgebend

 

Das Destinationsmanagement stößt Themen an, macht Angebote sichtbar, schafft Anreize und unterstützt bei der Umsetzung, zum Beispiel durch Kommunikation,
Qualifizierung oder Pilotprojekte. Dazu gehören auch Plattformen, Tools, Vorlagen oder Vernetzungsangebote, die die Umsetzung in der Destination erleichtern. Zudem bringt die DMO touristische Bedarfe und Positionen aktiv in relevante Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse ein.

 

Koordinierend

 

Die DMO bringt Akteur*innen zusammen, strukturiert Prozesse und sorgt für Abstimmung – etwa über Arbeitsgruppen, Beteiligungsformate oder gemeinsame Standards. Sie schafft Schnittstellen zwischen Tourismus und anderen Bereichen wie Verwaltung, Naturschutz oder Verkehr und moderiert Wissenstransfer sowie gemeinsame Entscheidungen.

 

In der Praxis lassen sich diese Rollen nicht immer eindeutig voneinander abgrenzen. Nachhaltige Destinationsentwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der viele Themen nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteur*innen bearbeitet werden können. In den meisten Kriterien nimmt die DMO deshalb mehrere Rollen gleichzeitig ein – je nach Einflussmöglichkeiten, Entwicklungsstand, vorhandenen Strukturen und beteiligten Akteur*innen. Sie kann beispielsweise einen Prozess strategisch anstoßen und koordinieren, zugleich Partner*innen bei der Umsetzung unterstützen und in einzelnen Bereichen selbst konkrete Maßnahmen umsetzen.

Die Grafik ist deshalb bewusst „wellig“ gedacht: Sie zeigt Übergänge und Schwerpunktsetzungen, keine starren Zuständigkeiten. Welche Rolle im Vordergrund steht, kann sich zudem im Verlauf eines Prozesses verändern. Während zu Beginn beispielsweise die Initiierung und Vernetzung entscheidend sind, können später Koordination, Unterstützung oder Monitoring stärker in den Mittelpunkt rücken.

Die konkrete Klärung der Rollen – wer steuert, wer koordiniert, wer setzt um und wer unterstützt – ist daher Teil des Destinationsmanagements selbst und sollte für jedes Kriterium bewusst vorgenommen werden. Wichtig ist dabei, Zuständigkeiten realistisch einzuschätzen und frühzeitig zu klären, welche Partner*innen eingebunden werden müssen. Der Leitfaden bietet dafür Struktur und erste Orientierung. Er unterstützt die DMO dabei, den eigenen Handlungsspielraum einzuordnen, geeignete Kooperationen aufzubauen und nachhaltige Entwicklung als gemeinsamen, abgestimmten Prozess in der Destination zu gestalten.